European Darts Tour: Darts-Stars zu Gast in Leverkusen

European Darts Tour: Darts-Stars zu Gast in Leverkusen

Alsmal als Kneipenspiel begonnen, erfreut sich Darts immer größerer Beliebtheit. Im Jahr verdienen Profis hohe zumeist sechs- bis siebenstellige Geldbeträge. Und eben jene Profis kamen nun zum zweiten Mal in die Ostermann-Arena in Leverkusen.

Die PDC Europe hatte dazu geladen. 13 Stopps, davon ganze acht allein in Deutschland, umfasst die European Tour. Ihr erster Halt nun also in der Farbenstadt am Rhein. Bunt, laut und schrill kommt das Event daher. Die Menschen verkleiden sich und feiern gemeinsam von Freitag bis Sonntag eine riesengroße Party. Ihre Helden sind wahrlich keine Modellathleten. Es sind Menschen, die auch mal ein kleines Bäuchlein vor sich hertragen.

Einer eben dieser Helden — jedoch ohne Hüftgold — ist Simon Whitlock. Der Australier betreibt den Kopfsport seit 1984 professionell, ist seit vielen Jahren auf der Tour unterwegs. Mit seinem Zopf aus Dreadlocks sowie einem auffällig langen Bart fällt der 49-Jährige auf.

"Wie lange der Bart wachsen musste weiß ich nicht mehr", sagt er grinsend, "es hat lange gedauert." In den vergangenen rund zwei Jahren lief es nicht so gut, jetzt dafür umso besser. "Ich trainiere wirklich hart", betont er. So sei "The Wizard" wieder aus diesem Loch herausgekommen. Da die Familie in Australien lebe, hätten ihn vor allem seine Freunde unterstützt.

In der Halle messen sich derweil die nächsten Kontrahenten. Es ist diesig, riecht nach Bier. Und auf der Bühne wirkt es durch Scheinwerfer nahezu wie Hochsommer. Es herrscht Party bei den rund 3500 Zuschauern allein an diesem Samstagabend. Entgegen der Normalität beim Fußball gibt es im Darts keine klaren Fanlager. Wer auf der Bühne steht, wird besungen. Das ist ein Merkmal. Profi Chris Dobey geht durch die Menschen, kauft sich am Fanstand ein T-Shirt. "Die Typen sind nahbar", sagt auch PDC Europe-Sprecher Niclas Junker.

Dazu sei der Einstieg in den Sport, bei dem insbesondere die mentale Stärke entscheidend ist, sehr einfach und im Vergleich kostengünstig. "Wenn ich Football spielen möchte, brauche ich Ausrüstung und Mitspieler", erklärt Junker. Ein Dartsboard ist derweil in der Regel zu einem Preis um die 50 Euro zu haben. Pfeile kosten knapp über zehn Euro.

Football und Darts eint an diesem Abend dann allerdings doch etwas. Jan Stecker führt durch das Event. In Deutschland ist er Experte für den harten US-Sport. Und auch wenn der wohl weiterhin an erster Stelle steht, ist der ehemalige Quarterback vom Dartsfieber gepackt. "Im Keller habe ich eine Sportsbar, dort hängt auch eine Scheibe", sagt er. Live hatte er vor nicht allzu langer Zeit durch einen Abend in Düsseldorf geführt. Und er adelt nun die tolle Stimmung in Leverkusen: "Das setzt nochmal einen drauf."

Mittendrin sitzt auf einer der Bänke der neunjährige Henrik. Michael van Gerwen ist sein Liebling. Zu Beginn des Abends hatte Henrik zur Musik seines Idols auf die Bühne laufen dürfen. "Man konnte sich wie ein echter Dartsspieler fühlen", sagt er glücklich.

Wie vielseitig der Kopfsport wirklich ist, zeigt das Beispiel Kevin Barths. Er arbeitet hinter den Kulissen, liebt Darts — und ist blind. Und doch kann er zumeist am Klang erkennen, wo der Pfeil im Board steckt. Ob oben oder unten. Wird der Wert der drei Pfeile für alle verkündet, rechnet er selbst den Rest aus. "Ich habe zwar nur ein 4,0er-Matheabi, im Kopf war ich aber schon immer gut", verrät er lachend.

Mit einer speziellen Software ist es dem 25-Jährigen möglich für eine Onlineseite Artikel über den Sport zu schreiben. Über einen Sport, der doch irgendwie mehr ist als nur das.

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