European Championships 2018: Hürdensprinterinnen Pamela Dutkiewicz und Cindy Roleder holen Medaillen

European Championships 2018: Hürden-Duo feiert Doppelerfolg

Gold ist es nicht geworden, dafür Silber und Bronze. Die deutschen Hürdensprinterinnen Pamela Dutkiewicz und Cindy Roleder haben bei der EM Medaillen geholt.

Pamela Dutkiewicz fiel Cindy Roleder freudestrahlend um den Hals, dann posierten beide unter dem Jubel der Fans mit der Deutschland-Fahne: Die Hürdensprinterinnen haben zwar das erträumte Gold bei der Heim-EM in Berlin verpasst, mit Silber und Bronze aber dennoch für einen tollen Abend gesorgt. Im Olympiastadion mussten sich die deutsche Meisterin Dutkiewcz und Titelverteidigerin Roleder nur der Weißrussin Elwira Herman geschlagen geben.

"Ich bin wirklich froh, dass es Silber geworden ist", sagte Dutkiewicz, die lange in Führung gelegen hatte, dann aber in 12,72 Sekunden noch der überraschend starken Herman (12,67) den Vortritt lassen musste.

Roleder sicherte sich knapp dahinter in 12,77 Bronze und meinte: "Das ist unfassbar, ein Traum." Für die deutsche Mannschaft waren es die Medaillen acht und neun in Berlin. Mit Platz fünf und 13,00 Sekunden rundete die Mannheimerin Ricardo Lobe das starke Ergebnis für das DLV-Team ab.

Disqualifiziert wurde Favoritin Alina Talaj aus Weißrussland, die aber nichts mit der Medaillenvergabe zu tun hatte. Talaj hatte Ende Mai in St. Pölten überragende 12,41 Sekunden vorgelegt, diese Form aber nicht halten können.

Die "German Hurdlepower", die Dutkiewicz vor der EM beschworen hatte, verpasste in Berlin zwar den ersten Doppelsieg zweier deutscher Hürdensprinterin seit 44 Jahren. Die kraftvolle Dutkiewicz und die elegante Roleder, die zwei so unterschiedliche Lauftypen verkörpern, wiesen aber erneut ihre Extraklasse nach.

Erstmals seit 1978 gab es damit zwei deutsche EM-Medaillen über 100 Meter Hürden, damals hatten in Prag Johanna Klier und Gudrun Berend Gold und Bronze für die DDR gewonnen. Erstmals seit 1990 standen wieder drei deutsche Hürdensprinterinnen in einem EM-Endlauf. Damals hatten in Split die DDR-Läuferinnen Gloria Siebert, Cornelia Oschkenat und Kristin Patzwahl die Plätze zwei, vier und sieben belegt, BRD-Starterin Gabriele Lippe kam nicht ins Ziel.

Es war das erste große Freiluft-Finale, in dem die beiden deutschen schnellsten Hürdenfrauen gemeinsam das Ziel erreichten. Als Roleder 2015 in Peking WM-Silber gewann, gehörte Spätstarterin Dutkiewicz noch nicht zur absoluten Weltspitze. Im EM-Finale 2016 in Amsterdam kam Dutkiewicz nicht über die Hürden, während Roleder Gold holte. Als Dutkiewicz 2017 in London WM-Bronze holte, fehlte Roleder verletzt.

Nun ließen beide bereits im Halbfinale die Muskeln spielen. Dutkiewicz rannte im dritten Lauf mit 12,71 Sekunden die beste Zeit aller Starterinnen und zeigte nicht den Hauch von Nervosität. "Der Lauf war ganz kontrolliert. Das Wichtigste ist gewesen, sich zu qualifizieren", sagte sie.

Roleder, die bei der DM noch nach einem Fehlstart das Finale verpasst hatte, ließ in ihrem Rennen in 12,83 Sekunden Talaj (12,96) keine Chance. Und Außenseiterin Lobe legte mit 12,90 Sekunden im richtigen Moment eine persönliche Bestzeit hin.

Auf dem Weg zu den Höhepunkten der kommenden Jahre müssen Dutkiewicz und Roleder aber zulegen. Die Armada der US-Hürdensprinterinnen um Weltrekordlerin Kendra Harrison (12,20) spielt in einer anderen Liga, auch Australiens Weltmeisterin Sally Pearson und die starken Jamaikanerinnen dürften dafür sorgen, dass die Latte bei der WM 2019 in Doha und Olympia 2020 in Tokio ein gutes Stück höher liegt.

(sid/sef)
Mehr von RP ONLINE