European Championships 2018: Florian Wellbrock holt Silber

Freiwasserschwimmer-Staffel holt Silber: „Das war Werbung fürs Freiwasser"

Becken-Europameister Florian Wellbrock hat mit der Freiwasser-Staffel in einem packenden Finale zwar Gold verpasst, aber Silber und wichtige Erfahrungen gewonnen. Freundin Sarah Köhler durfte sich mitfreuen.

Florian Wellbrock schwamm minutenlang Nase an Nase mit Ferry Weertman, bei jedem zweiten Armzug schauten sich die Rivalen direkt in die Augen. Während der neue deutsche Schwimmstar im Loch Lomond mit den Psychospielchen und auch körperlichen Tricks des ausgebufften Niederländers kämpfte, schlug seine Freundin Sarah Köhler am Ufer vor Aufregung die Hände vors Gesicht.

Im packenden Schlussspurt musste sich Becken-Europameister Wellbrock zwar dem Freiwasser-Olympiasieger Weertman um 0,6 Sekunden geschlagen geben. Doch die Silbermedaille im Staffelrennen über 4x1,25 km im offenen Gewässer mit Köhler, Leonie Beck und Sören Meißner vor traumhafter Kulisse begeisterte alle. "Mit dem Team und meiner Freundin auf dem Silberrang zu stehen, ist natürlich sehr schön", sagte Wellbrock.

"Das war Werbung für das Freiwasserschwimmen", schwärmte Bundestrainer Stefan Lurz: "Ich habe immer noch Gänsehaut. Das war der Wahnsinn, spannend bis zum Ende. Wir freuen uns riesig über Silber."

Für Wellbrock und Köhler, die zuvor im EM-Becken des Tollcross International Swimming Centre jeweils zwei Medaillen gewonnen hatten, war es das erste gemeinsame Edelmetall als Schwimm-Paar. Köhler ging problemlos das Tempo der niederländischen Olympiasiegerin Sharon van Rouwendaal mit, danach feuerte sie ihren Freund auf der Schlussrunde an: "Ich habe wohl genauso gelitten wie er, aber mehr emotional als körperlich."

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Wellbrock dürfte im Duell mit Weertman viel gelernt haben, schließlich will der 20-Jährige bei der WM im kommenden Sommer in Südkorea und auch bei Olympia 2020 in Tokio den Doppelstart im Becken und Freiwasser wagen. Weertman habe "die ganze Zeit bei mir auf der Hüfte gelegen", sagte der 1500-m-Europameister, "und ich wiege wahrscheinlich 15 bis 20 Kilo weniger als er. Da kam ich nicht weg."

Den Start der deutschen Beckenschwimmer hatte vor allem das französische Freiwasserteam, das auf Platz drei landete, heftig kritisiert. Lurz konnte das angesichts der Aussicht, das Staffelrennen ab 2024 ins Programm der Olympischen Sommerspiele zu heben, nicht verstehen. "Wenn das Teamrennen olympisch werden soll", sagte er, "müssen sich alle Länder aus dem Pool der Beckenschwimmer bedienen."

Kritik an der Staffel-Nominierung gab es aber auch aus dem eigenen Lager. Wellbrocks Heimtrainer Bernd Berkhahn aus Magdeburg konnte nicht verstehen, warum der Würzburger Meißner seinem Schützling Rob Muffels, EM-Dritter über zehn Kilometer, vorgezogen wurde. In der Mainpost warf er dem Bundestrainer "Machtmissbrauch" vor. Angeblich würden Athleten aus Lurz' Bundesstützpunkt in Würzburg bevorzugt.

"Ich verstehe die ersten Emotionen und Enttäuschungen", sagte Lurz, eine unausgewogene Nominierungspolitik wies er aber von sich. Sein Schützling Meißner habe zudem "einen guten Job gemacht, unter dem Strich war es die richtige Aufstellung".

(sid/sef)