DOSB: Walter Schneeloch bezeichnet E-Sports als Gefahr für die Gesellschaft

DOSB-Vize attackiert Politik: „E-Sport ist gefährlich für die Gesellschaft“

Am Samstag trifft sich der Deutsche Olympische Sportbund in Düsseldorf. Vize-Präsident Walter Schneeloch spricht im Interview mit unserer Redaktion über Olympia in NRW und das Phänomen E-Sport, das er überaus kritisch betrachtet.

Walter Schneeloch, 71, ist seit 2005 Präsident des Landessportbundes NRW und seit 2006, er gehört zu den Gründungsmitgliedern, Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Am Samstag bei der Mitgliederversammlung des DOSB in Düsseldorf tritt der pensionierte Lehrer nicht erneut an.

Herr Schneeloch, welche Noten geben Sie dem organisierten Sport in Deutschland?

Schneeloch Ach hören Sie mir doch auf mit diesen Schulnoten. Das habe ich immer schon als Lehrer gehasst, die Kinder nur zu klassifizieren von 1 bis 6. Das hilft überhaupt nicht weiter, wenn sie in den unteren Bereich hineingehen. Ich bin immer schon vom Prinzip der ermutigenden Erziehung ausgegangen. Die Stärken stärken und die Schwächen vermeiden - man muss positiv an die Sache ran.

Heißt also in einer Schulnote: Der Sport in Deutschland steht schlechter als Note 3 da.

Schneeloch Jetzt kommen Sie ja schon wieder mit diesen Noten um die Ecke.

Sie haben ja nicht geantwortet.

Schneeloch Eine Note bekommen Sie auch nicht. Ich bin jedoch der Meinung, der DOSB kommt insgesamt in den Medien zu schlecht weg.

Aber das ist ja dann auch Ihre Schuld gewesen, dass es möglicherweise nicht gelungen ist, darzustellen, was den DOSB noch ausmacht.

Schneeloch Sicher. Jeder hat seinen Anteil daran. Der DOSB wird in einer breiten Öffentlichkeit immer nur als Leistungssportverband dargestellt. Aber die ganze Vielfalt des Sports, die 90.000 Vereine in Deutschland, von denen die wenigsten Leistungssport anbietet, fallen hinten runter.

Im Vorfeld, so wurde zumindest kolportiert, gab es den Versuch, DOSB-Präsident Alfons Hörmann zu stürzen. Hinter verschlossenen Türen wurde verhandelt, nun gibt es keinen Gegenkandidaten mehr.

Schneeloch Vielleicht gab es ja auch nie einen. Sowohl die Landessportverbände als auch die Vertreter der Spitzenverbände haben sich für ihn jedenfalls ausgesprochen. Ich halte es aber auch für keineswegs schädlich in einer Demokratie, wenn man mehr als eine Alternative hätte. Wir sind ja nicht in Nordkorea. Alfons Hörmann hat die Leistungssportreform angestoßen. Wenn sie so ein Projekt anpacken, dann wird zunächst gejubelt, wenn es dann aber an die konkrete Umsetzung geht und möglicherweise jemand etwas von seinem Stück vom Kuchen abgeben soll, ist der Aufschrei groß. Hörmann ist über Jahre durch das Bundesinnenmisterium ausgebremst worden. Wenn er die nicht vernünftig umgesetzt bekommen hätte, wäre er sicherlich auch nicht noch einmal angetreten. Man kann von Horst Seehofer halten was man will, aber am Ende hat er den Knoten durchschlagen und wichtige Mittel für den Leistungssport freigegeben. Hörmann hat mit voller Energie für die Reform gekämpft, letztendlich erfolgreich. Seine Kritiker sind daher verstummt.

Man fragt sich allerdings, warum der Sport überhaupt ständig mehr Geld fordert, wenn die ausgehandelten Mittel nicht mal annähernd abgerufen werden. In diesem Jahr sind bislang nur für knapp ein Drittel Anträge gestellt worden. So schlecht scheint es der Branche ja nicht zu gehen?

Schneeloch Den Eindruck kann man sicher gewinnen. Und das ist fatal. Die Verbände müssen natürlich auch die Anträge stellen. Da muss man schon mit dem Kopf schütteln. Statt immer nur herumzumäkeln, sollten einige erstmal selbst ihre Hausaufgaben machen.

Wenn man Sie so reden hört, wie Sie Partei ergreifen für Hörmann - wollen Sie zum Abschied die goldene Ehrennadel vom DOSB bekommen?

Schneeloch (lacht) Ich bekomme keine Nadel, ich werde Ehrenmitglied des DOSB, das ist noch eine Stufe höher.

Über Jahre waren Sie deutlich angriffslustiger.

Schneeloch In der Sache lasse ich mir auch nicht den Mund verbieten. Für die enorm wichtigen Themen in meinem Zuständigkeitsbereich wie Ehrenamt, Sportabzeichen oder Sporträume habe ich mich mit voller Überzeugung auch gestritten oder als unbequemer Geist erwiesen. Aber ich muss doch niemanden kritisieren, weil das vielleicht gerade in Mode ist.

Es gibt Pläne, die Olympischen Spiele 2032 nach NRW zu holen. Realistisch?

Schneeloch Absolut! Die Rhein Ruhr City ist ein spannendes Projekt. Und ich bin mir sicher, dass der DOSB zur gegebenen Zeit sich klar bekennen wird. Ich bin unbedingt dafür. Die Landesregierung hat die ersten richtigen Schritte in die Richtung gemacht. Wir müssen auch die Bevölkerung mitnehmen, damit nicht der Eindruck erweckt wird, dass sich Politiker teure Spiele leisten wollen, sondern dass auch vermittelt wird, was die Basis ganz konkret davon hat.

Was haben Sie mit Ministerpräsident Armin Laschet gemacht? Seit er im Amt ist, hat der Sport einen politischen Stellenwert bekommen wie nie zuvor.

Schneeloch Richtig, aber bei uns im Giftschrank lagern keine Geheimnisse über ihn. Unter den Vorgängerregierungen hatte der Sport nicht so einen guten Stand. Wir haben jetzt schon mehr erreicht von den Dingen, die wir jahrelang gefordert haben. Es wurde immer gesagt: der Sport regelt das schon selbst und immer mehr Aufgaben wurden auf die Ehrenamtlichen abgewälzt. Jetzt wird endlich auch mal investiert in Ausbildung und Infrastruktur - es hilft eben, wenn der Sport in NRW als Chefsache gilt.

In NRW sind die Zahlen zwar stabil, aber bundesweit wollen immer weniger Menschen ihren Sport im Verein machen. Wie erreichen Sie dennoch dieses Klientel mit Angeboten?

Schneeloch Wir müssen flexibler werden und uns auf neue Phänomene auch einlassen. Große Vereine haben mit dem Wandel weniger Probleme, als die kleineren. Uns bricht dramatisch die Zielgruppe der 25- bis 45-Jährigen weg.

Apropos auf neue Phänomene einlassen. E-Sport lehnen Sie kategorisch ab und verweigern die Aufnahme beim DOSB. Warum so rigoros?

Schneeloch Weil es für mich kein Sport ist. Ganz einfach. Und ich bin ja mit dieser Sichtweise nicht alleine. Peter Beuth, der Innenminister von Hessen hat unlängst ein vernichtendes Urteil gefällt, der verlangt, dass es eigentlich nicht E-Sport heißen dürfe, weil es überhaupt kein Sport sei. Diese Daddelei vor dem Fernseher. Der Begriff Sport ist nicht geschützt. Wer aber aufgenommen will in die Familie der Sportorganisationen, der muss sich mit den allgemeinen Werten auseinandersetzen. E-Sport passt da in der heutigen Form nicht hinein.

Es wirkt schon so, als würden Sie sich der Entwicklung verschließen.

Schneeloch Sehen Sie, niemand von uns will E-Sport verhindern. Das ist eine Entwicklung, die ja gerade bei Jugendlichen nicht wegzudenken ist, und das will ja auch keiner. Wir wollen denen nichts. Auch wenn ich mit diesen Ballerspielen aber so mal überhaupt nichts anfangen kann. Solche Simulationen haben nichts im Sport verloren, sie sollten eigentlich überhaupt keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Wir sind doch als Sport keine Oberrichter. Aber wir können uns doch wohl noch herausnehmen zu sagen, dass es bei uns momentan keinen Platz hat. Warum soll es als Sport anerkannt werden?

Naja, die Verbände sind da ja nicht ganz so kategorisch. Fußball-Simulationen und ähnliches werden akzeptiert.

Schneeloch Es werden Dinge mitgetragen. Damit erkennt man E-Sports aber noch längst nicht als Sport an. Unser Kinder werden immer dicker und kränker, was wäre es für ein fatales Signal, wenn wir dann auch noch etwas unterstützen, bei dem man fünf Stunden an der Konsole hängt und hinterher behauptet ein Kind, es habe ausreichend Sport gemacht. E-Sport ist deshalb leider eher eine Gefahr für unsere Gesellschaft.

Walter Schneeloch, Präsident des Landessportbund NRW und Vizepräsident des DOSB. Foto: Hans-Jürgen Bauer

Die Athleten begehren gegen den DOSB auf und organisieren sich mittlerweile in einem eigenen Verein. Berechtigt?

Schneeloch Es ist noch kein Spitzensportler vom Himmel gefallen. Um dorthin zukommen, musst du schon von kleinauf gefördert werden. Ich habe total Verständnis dafür, dass die Sportler sich zu Wort melden. Aber wozu muss es denn noch einen zusätzlichen Verein geben?

Also finden Sie es nicht gut, dass die Sportler sich emanzipieren?

Schneeloch Ich finde es nicht gut, weil sie bereits eine wirksame Stimme beim DOSB durch die Athletenkomission haben. Es ist trotzdem ihr gutes Recht, einen anderen Weg zu wählen.

Warum haben Funktionäre eigentlich in der Regel so ein schlechtes Image?

Schneeloch Gute Frage, sehr gute Frage. International läuft es eben nicht so wie bei uns. Die anderen Nationen denken eben nicht alle so deutsch. In anderen Ländern interessieren sie sich nicht für die meisten unserer Themen. Und ja, einige Sportfunktionäre tun auch alles dafür, um nicht gerade Vertrauen zu steigern.

(gic)
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