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DOSB-Mitgliederversammlung in Düsseldorf - ein Kommentar

Kommentar zur DOSB-Versammlung : Der Sport braucht mehr kritisches Miteinander

Die Führung des Deutschen Olympischen Sportbundes hat bei der Mitgliederversammlung in Düsseldorf vor allem eine Botschaft ausgesendet: Zufriedenheit mit dem eigenen Tun. Das ist zu wenig - und gefährlich. Ein Kommentar.

Wer am Samstag in den Düsseldorfer Rheinterrassen dabei war, der musste zwangsläufig den Eindruck gewinnen, dem deutschen Sport gehe es blendend. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wurde nicht müde, von der Bühne herunter zu berichten, wie gut alles läuft. Die Spitzensportförderung des Bundes? Steigt über die Maßen. Die eigenen Finanzlage? Viel besser als vor Jahren gedacht. Die Leistungssportreform? Auf einem guten Weg? Die Idee von einer NRW-Olympia-Bewerbung 2032? Findet breite Zustimmung.

Die Botschaft, die Präsident Alfons Hörmann und seine Mitstreiter aus Düsseldorf in die Nation senden wollten, wurde in jedem einzelnen Wortbeitrag eindeutig: Glaubt nicht den ganzen Miesepetern, die ein Haar in jeder Suppe und im Sport besonders eifrig danach suchen. Wir sind viel besser, als es oft dargestellt wird. Nun ist nichts Verwerfliches daran zu finden, die Errungenschaften des eigenen Tuns kundzutun. Das Problem daran ist ein anderes. Das Problem ist die Akzeptanz einer kritischen Öffentlichkeit, die sich darin widerspiegelt. Oder besser gesagt: die Geringschätzung einer kritischen Öffentlichkeit, die manch einer aus dem deutschen Sport hinter vorgehaltener Hand der DOSB-Führung dann auch attestiert. Aber eben in der Regel nur hinter vorgehaltener Hand, denn an einer ehrlichen Bereitschaft zur kritischen Kontroverse im DOSB-Universum haben inzwischen viele ihre Zweifel. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns – das ist die vorherrschende Wahrnehmung kritischer Geister.

Und das ist die gefährliche Botschaft, die von Düsseldorf ausgeht. Denn der Sport braucht wie jeder andere gesellschaftliche Bereich zwingend ein kritisches Miteinander. Mit offenem Visier und dem Gehör für Gegenargumente. Denn wo konstruktive Kontroverse ausbleibt, verschwinden die kritischen Stimmen nicht. Sie äußern sich nur woanders. In Hinterzimmern. In persönlichen Ränkespielen. In Hahnenkämpfen, die letztlich auf dem Rücken des Sports ausgetragen werden, aber eben nicht in dessen Sinne.

Insofern war die Kandidatur von Triathlon-Präsident Martin Engelhardt für das Präsidentenamt ein wichtiges Symbol. Denn auch wenn der 58-Jährige wusste, dass er im Wahlgang gegen Hörmann chancenlos sein würde (er war es dann auch, unterlag mit 61 zu 383 Stimmen), nutzte er die Chance, in seinen fünf Minuten Redezeit Hörmann für jeden hörbar kritische Worte mitzugeben: die Forderung nach einem respektvolleren Miteinander und mehr Transparenz. Hörmann versprach später, diese Werte in seiner zweiten Amtszeit verkörpern zu wollen. Hält er sein Wort, wäre das ein echter Grund für Selbstzufriedenheit. Nicht zuletzt für die kritische Sportöffentlichkeit.