Deutschen Meisterschaften: Taekwondo-Elite kämpft in Düsseldorf um den Titel

Deutschen Meisterschaften : Taekwondo-Elite kämpft in Düsseldorf um den Titel

Am Samstag starten die Deutschen Meisterschaften im Taekwondo. 373 Athleten reisen an. Eine Favoritin bei den Frauen kommt aus Nettetal.

Madeline Folgmann hat diesem Wochenende entgegengefiebert. Denn es ist für die Taekwondo-Kämpferin aus Nettetal nicht nur der Auftakt in eine Saison, in der sie wichtige Schritte auf dem Weg Richtung Olympia 2020 in Tokio gehen möchte. Es hält für die 21-Jährige auch einen der seltenen Fälle bereit, bei denen sie sich mit der nationalen Spitze quasi vor der eigenen Haustür messen kann. Denn heute starten die Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf.

"Das entspannt die Lage für mich. Ich kann im eigenen Bett schlafen und erholt an den Start gehen", sagt Folgmann. Dass sie durch die räumliche Nähe zu ihrer Heimat auch auf eine große Fanschar hoffen kann, ist ihr dagegen gar nicht so recht. Sie ist eher der Typ, der akribisch und sachlich für den Erfolg arbeitet. "Ich konzentriere mich lieber auf mich und meine Leistung. Aber wenn meine Familie kommt, ist das okay."

Die Zurückhaltung der Nettetalerin ist verständlich. Denn die Erwartungshaltung ist hoch. Schließlich hat sie sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert und in die deutsche Spitze in der Gewichtsklasse bis 53 Kilogramm bei den Frauen gekämpft. Im vergangenen Jahr wurde sie sogar U21-Europameisterin und erhielt als Lohn eine Nominierung bei der Wahl zum NRW-Sportler des Jahres in der Kategorie "Newcomer/in". Aktuell führt sie die deutsche Rangliste an und geht nun folgerichtig als Favoritin ins Rennen, doch es gibt harte Konkurrenz. Etwa die Viersenerin Julia Ronken (TSC Gladbeck) oder Roxana Nothaft aus Nürnberg.

So schön der DM-Titel auch wäre, die Nettetalerin hat noch ambitioniertere Ziele. "Wir haben unsere Pläne für die beiden nächsten olympischen Zyklen gemacht. Madeline will 2020 in Tokio und 2024 in Paris starten", sagt ihr Trainer Björn Pistel. Nach überraschend starken Ergebnissen sah es 2016 zwischenzeitlich so aus, als könnte sich Folgmann schon für Rio qualifizieren. Am Ende fehlte es an Konstanz. Doch wer den Traum von Olympischen Spielen verwirklichen will, muss das Leben so organisieren, dass ein Großteil der Energie in den Leistungssport investiert werden kann. Folgmann weiß das.

Sie hat sich nach dem Abitur 2017 für ein Sportstudium in Köln entschieden, weil dort viel Verständnis für mögliche Fehlzeiten aufgebracht wird. Dort hat sie durch ihre Erfolge ein "Deutschland Stipendium" erhalten. Weil sie auch noch von der Deutschen Sporthilfe, der Sportstiftung NRW und privaten Sponsoren unterstützt wird, hat sie die finanzielle Basis, um sich voll auf den Sport zu konzentrieren. Bei täglich zwei Trainingseinheiten, dem Studium und zahlreichen Turnierreisen ist ein Nebenjob kaum denkbar.

Direkt nach der DM in Düsseldorf steigen Folgmann und Trainer Pistel in den Flieger nach Las Vegas zu den US-Open. "Wer oben mitspielen will, muss um die Welt reisen", betont Pistel. Zum einen, um sich mit den besten Gegnerinnen zu messen, zum anderen, um möglichst viele Punkte für die Welt- und die Olympiarangliste zu sammeln, die gesondert geführt wird, weil es bei den Spielen nur vier statt der sonst üblichen acht Gewichtsklassen gibt.

Deswegen muss sich Folgmann mit Blick auf Tokio bei einigen Turnieren auch in der Klasse bis 57 Kilogramm behaupten. Dort belegt sie aktuell Platz 16 der Rangliste. Steht sie 2020 unter den ersten acht, wäre sie direkt für die Olympischen Spiele qualifiziert. Der nächste Schritt auf dem weiten Weg dorthin soll für Folgmann der Titel Deutsche Meisterin 2018 in Düsseldorf sein.

(RP)
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