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Corona-Krise: In Corona-Zeiten entdecken viele das Joggen neu.

Viele neue Anhänger in der Corona-Krise : Joggen geht immer

Fitter aus der Krise? Die Pandemie im Frühjahr nutzen viele, um endlich mal wieder Laufen zu gehen. An Trainingstipps und -Programme mangelt es nicht. Auch Marathon-Asse helfen den (Wieder-)Einsteigern.

Wo waren noch mal die Laufschuhe? Diese teuren Treter, fast nie getragen? In Corona-Zeiten entdecken viele das Joggen neu. Ob in Parks oder Wäldern, auf Feldwegen oder an Hotspots wie der Hamburger Alster oder dem Frankfurter Mainufer: Überall sieht man Menschen, die - mehr oder weniger geübt - ihre Kondition auffrischen und dem Bewegungsmangel trotzen. „Die Menschen verfügen gerade über mehr Freizeit, zudem haben Fitnessstudios geschlossen. Man hat schon den Eindruck, dass viel mehr laufen“, sagt Matthias Reick, Vizepräsident im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). „Die individuelle Mobilisierung ist natürlich positiv im gesundheitlichen Sinne.“

Die Laufbewegung in Deutschland umfasst nach seinen Angaben zwischen 17 und 18 Millionen Menschen, alleine 4000 Lauftreffs gebe es. Trotz der neuen Jogging-Begeisterung geht Reick nicht davon aus, dass es nach der Pandemie „einen Run auf die Vereine gibt“.

Unzählige Fitness-Apps überschwemmen derzeit den Markt. Verbände, Krankenkassen, Organisationen und Influencer geben online Tipps. „Deutschland wird fitter aus der Krise herauskommen, als es vorher war. Ich habe noch nie so viele Läufer draußen gesehen“, prophezeit der Sportpsychologe und Langstreckenläufer Oliver Stoll in einem Beitrag der ARD-„Sportschau“.

Auch ehemalige Spitzensportler beraten die Wiedereinsteiger - wie der frühere Marathon-Europameister Jan Fitschen auf einer AOK-Seite mit dem Titel „Laufliebe“: „Wie werde ich schnell schneller? Wie schaffe ich es, fünf Kilometer am Stück zu laufen? In 30 Minuten, vielleicht sogar irgendwann in 20? Wie werde ich möglichst schnell schneller? Ist das überhaupt noch gesund, so schnell zu laufen? Und wie erstelle ich mir einen Trainingsplan?“ Sein gut gemeintes Motto: „Laufen ohne zu schnaufen“.

Die ambitionierten Ausdauersportler hasten - wie derzeit die Profis - ohne Wettkampf-Ziele durch die Gegend. Volksläufe sind abgesagt, an Massenveranstaltungen wie Marathon-Rennen ist nicht zu denken. Aber aus all jenen, die sich gerade von Kilometer zu Kilometer zu schleppen und am Tag danach mit Muskelkater zu kämpfen haben, werden wohl kaum Olympiasieger hervorgehen.

Der DLV freut sich dennoch über die wachsende Laufbegeisterung und unterstützt diese mit Trainingsprogrammen und Einsteigertipps auf seinen Social-Media-Kanälen. Er hat mit seiner Initiative #TrueAthletes@Home auch eine Serviceseite zu Gesundheits-, Jugend-, Senioren- und Leistungssport gestartet.

Die Sportlegende Emil Zatopek - der viermalige Olympiasieger wurde die „tschechische Lokomotive“ genannt und starb 2000 - hätte wohl seine helle Freunde gehabt an den vielen Läufern in der globalen Krise. „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft“ - so lautete seine immer wieder verbreitete Weisheit.

Für die überehrgeizigen Lauf-Asse gibt es aber auch Warnungen, es nicht zu übertreiben im Zeichen des Coronavirus. „Natürlich ist das Immunsystem in den Spitzenphasen anfälliger für grippale Infekte und Viren, insbesondere nach sehr harten Belastungen“, erklärt Arne Gabius, deutscher Marathon-Rekordhalter und Arzt.

Marathon-Ass und Olympia-Teilnehmer Philipp Pflieger warnt in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ die übereifrigen Anfänger: „Der Kardinalfehler ist definitiv der, dass man am Anfang zu schnell zu viel will. Auspowern ist nur dann unproblematisch, wenn man es sportlich gewohnt ist.“ Wenn nicht, dann gehe es nach hinten los: „Es am Anfang zu übertreiben, ist wirklich der beste Weg, sich den Spaß zu vermiesen.“

Und die Ansteckungsgefahr? Wenn sich vieles drängelt auf den Lauf-
Pfaden? Der Aerodynamiker Bert Blocken hat eine Studie in den Niederlanden und Belgien gemacht: Wie groß muss der Abstand beim Laufen sein, um andere nicht mit dem Coronavirus anzustecken oder angesteckt zu werden? „Ob Sie der Speichelwolke anderer Personen ausgesetzt wind, hängt davon ab, ob Sie sich im Windschatten dieser Person befinden“, sagte er in einem Interview des Deutschlandfunks. Die Tröpfchen, mit denen das Virus übertragen werden kann, seien so leicht, dass sie sich nicht mit dem Läufer mitbewegen. Sein Fazit: ein Sicherheitsabstand von mehr als den empfohlenen zwei Metern.

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(dpa/old)