Club der Besten Warum das Klassentreffen der Medaillengewinner wichtig für den Sport ist

Düsseldorf · In der Sonne Italiens versammelt die Sporthilfe ihre besten Athletinnen und Athleten – als Lohn für den Erfolg. Neben Spaß und Erholung geht es aber auch um die Zukunft des Spitzensports in Deutschland.

 Der Club der Besten aus 100 Top-Athletinnen und Athleten trifft sich in Italien.

Der Club der Besten aus 100 Top-Athletinnen und Athleten trifft sich in Italien.

Foto: Michael Kuhlmann/Sporthilfe/Michael Kuhlmann

Valentin Baus sitzt vorne auf dem Riesenboard, neben und hinter ihm paddeln die anderen die Mannschaft über den Pool. Neben ihnen versucht die Konkurrenz, schneller zu sein. Musik begleitet das Rennen. Der Para-Tischtennisspieler von Borussia Düsseldorf zielt derweil mit einer Nerf-Gun auf die Becher am Beckenrand, einer nach dem anderen fällt. Ein Spaßwettkampf, eins von vielen Teamerlebnissen beim „Club der Besten“.
Ob Hockeyspieler, Judoka, Radsportlerinnen, Nordische Kombinierer, Skispringerin oder Tischtennisspieler – bei der Reise der Sporthilfe kommen Athletinnen und Athleten aus Sommer- und Wintersport, aus den paralympischen und olympischen Disziplinen zusammen. 100 sind es in diesem Jahr. Ihre Gemeinsamkeit: Sie alle werden von der Sporthilfe gefördert und waren zwischen September 2022 und September 2023 bei Welt- oder Europameisterschaften erfolgreich. Gemeinsam urlauben sie nun eine Woche in Italien. Tauschen sich über ihren Sport, ihr Leben, ihre Ziele aus.

Valentin Baus ist zum Beispiel als Weltmeister im Para-Tischtennis dabei. Zum „Club der Besten“ zu gehören, ist für ihn eine Belohnung für die ganze Arbeit, die hinter den Erfolgen steckt. Als Sportler frei zu haben und die Zeit einfach zu genießen, sei etwas Besonderes. Und: „Während man sonst meist in seiner Sportart bleibt, lernt man hier viele andere Sportler kennen. Die Atmosphäre ist sehr locker, man unterhält sich über private Themen, aber natürlich auch über das Training“, sagt Baus. Es sei spannend zu sehen, welche Schwerpunkte andere dabei setzen. „Es ist aber auch interessant mitzubekommen, welche Schwierigkeiten andere Sportarten haben, zum Beispiel mit internationalen Verbänden oder Abläufen. Es ist gut zu sehen, dass es auch bei anderen Probleme gibt“, sagt der Tischtennisspieler. Vor allem aber genieße er den Zusammenhalt. „Wir sind hier eine große Gruppe ,Sport Deutschland‘. Das motiviert auch noch mal“, betont Baus. Die Reise sei für viele auch wichtig, um noch mal Kraft zu tanken. „Denn es geht jetzt ziemlich schnell auf Paris zu. Für mich geht es hier nach schon voll in die Vorbereitung auf die paralympischen Spiele“, sagt der 27-Jährige, der dort seinen Titel von Tokio 2021 wiederholen will.

Während für viele Sommersportler das Training schon auf die Olympischen Spiele und Paralympics 2024 ausgerichtet ist, stehen die Wintersportler kurz vor der neuen Saison. Und so ist der „Club der Besten“ auch für Katharina Schmid (geborene Althaus) noch mal eine willkommene Gelegenheit zum Abschalten, bevor es in die harte Wettkampfphase geht. Nach der langen WM-Saison stand in diesem Sommer erstmal ihre Hochzeit im Vordergrund. „Das Trainingszeug habe ich erstmal liegen lassen und die Hochzeit genossen“, sagt Schmid. Danach ging es im August noch in den Urlaub nach Island, dann wieder in die Saisonvorbereitung. Nun nimmt sie sich noch mal eine Woche Zeit für die Sporthilfe. „Das passt diesmal perfekt in die Vorbereitung“, freut sich Schmid.

Kurz nach der Reise steht für die Weltmeisterin im Skispringen die letzte Station im Sommer-Grandprix an, dann geht es in den letzten Trainingsblock für der Weltcupsaison. Umso mehr genieße sie es, nun auch auf die Sommersportler zu treffen. „Mit ihnen habe ich sonst nicht so oft die Gelegenheit, mich auszutauschen. Es gibt auch coole Challenges, die man gemeinsam bestreitet“, sagt Schmid. „Natürlich tauschen wir uns hier auch über das Sportliche aus. Aber es ist nicht so, dass man sich viel für das eigene Training abschauen würde.“

Das Thema Anerkennung für den Leistungssport beschäftigt aber auch die Athletinnen und Athleten bei der Sporthilfe-Reise. „Wir merken alle, dass es für den Sport gesellschaftlich in Deutschland immer schwieriger wird. Darüber sprechen wir hier natürlich auch“, sagt die Skisprung-Weltmeisterin. Gerade die aktuellen Diskussionen um die Kürzung der Bundesmittel für den Sport beschäftige viele. Dabei geht es auch um Gelder für das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES). Das stellt zahlreichen Disziplinen die technisch neueste Ausrüstung zur Verfügung und forscht mit Athletinnen und Athleten an Verbesserungen. „Von deren Arbeit profitieren fast alle Sportarten und wir sind auf genau diese Fördergelder angewiesen, um erfolgreich sein zu können. Da fragen wir uns schon, wie es weitergeht“, sagt Schmid.

Umso wichtiger sei das Engagement der Sporthilfe, betont die Oberstdorferin. Das endet nicht bei der finanziellen Unterstützung. Die Sporthilfe bietet auch berufliche Weiterbildung, ein Netzwerk oder Hilfe bei der Entwicklung von Sportarten. „Ohne sie wäre es für viele schwierig, ihren Sport überhaupt zu betreiben oder erfolgreich zu sein. Gerade in meiner Sportart hat die Sporthilfe sehr dabei geholfen, dass wir Frauen uns etablieren konnten“, ergänzt die Skispringerin, die weiß, dass es für andere Athletinnen und Athleten, die weniger Aufmerksamkeit bekommen, deutlich schwieriger ist, Sponsoren zu finden.

Porträt: Das ist Skispringerin Katharina Schmid, geborene Althaus - Weltmeisterin, Olympia, Skifliegen
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Das ist Katharina Schmid

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Foto: dpa/Daniel Karmann

Für sie selbst geht es in der neuen Saison auch darum, mit dem Frauen-Skispringen den nächsten Schritt zu gehen. Erstmals gibt es in diesem Winter am 30. Dezember und an Neujahr die Two-Nights-Tour mit Wettkämpfen in Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf. Die Vierschanzentournee findet immer noch nicht für die Frauen statt. „Trotzdem wird das für mich gerade mit dem Heimspringen in Oberstdorf ein Highlight“, sagt Schmid. Und zum Skifliegen geht es in diesem Winter zweimal. „Die 200 Meter zu überfliegen, ist ja noch mein großes Ziel“, sagt die 27-Jährige, die weiß, dass sie und ihre Kolleginnen aber noch weiter für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Skispringen kämpfen müssen. „Ich werde nicht damit aufhören, meine Meinung zu sagen“, sagt Schmid.