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CHIO Aachen 2022: Pferd Allstar von Rosalind Canter eingeschläfert

CHIO in Aachen : Rote Karte für Werth, kein Sieg für Jung und ein totes Pferd

Isabell Werth disqualifiziert, Michael Jung zurückgestuft und als trauriger Tiefpunkt ein totes Pferd: Aachen durchlebte am Samstag alle Facetten des Sports.

Isabell Werth war auf dem Weg zum Sieg, Michael Jung hatte den vermeintlich schon in der Tasche, doch am Ende standen die beiden Topstars der deutschen Reiterei mit leeren Händen da. Viel schwerer als die Disqualifikation von Werth im Grand Prix Special der Dressur und der aberkannte Sieg von Michael Jung im Geländeritt der Vielseitigkeit wog aber der Tod von Allstar. Der 17-jährige Hengst der britischen Weltmeisterin Rosalind Canter erlitt im Gelände eine so schwere Verletzung am linken Vorderbein, dass er in einer Aachener Tierklinik eingeschläfert wurde.

Isabell Werth war im Special mit dem zwölfjährigen Quantaz hervorragend auf Kurs, als die Klingel ertönte. Zunächst habe sie gedacht, das gelte gar nicht ihr, sagte Werth: „Dann dachte ich, ich sei in die falsche Richtung geritten, dann habe ich das Blut am Maul gesehen.“ Der Test mit dem weißen Taschentuch war eindeutig, Werth wurde gemäß Reglement disqualifiziert und wird damit auch im Großen Preis am Sonntag nicht starten.

„Ich bin natürlich sehr enttäuscht, vor allem auch für das Team“, sagte Werth anschließend. Sie sei „schon so lange im Sport, und jetzt habe ich wieder was zum ersten Mal erlebt. Ich hätte darauf verzichten können.“ Bundestrainerin Monica Theodorescu fand es „richtig blöd“. Quantaz habe sich offensichtlich während der Prüfung auf die Zunge gebissen, „vorher bei der Gebisskontrolle war noch alles in Ordnung“. Sie habe derlei schon oft erlebt, sagte Theodorescu: „Das kann ganz schnell gehen.“

Damit taucht Deutschland erstmals seit 2010 und zum insgesamt vierten Mal seit der ersten Austragung des Aachener Nationenpreises im Jahr 1977 nicht in der Siegerliste auf. 2005, 2009 und 2010 hatten sich die Niederlande durchgesetzt, dieses Mal war es Dänemark mit seiner Topreiterin Cathrine Dufour, die mit Vamos Amigos auch die Einzelwertung gewann und ihre Rolle als große Favoritin für ihre Heim-WM in sechs Wochen in Herning bestätigte. Bester Deutscher war auf Platz zwei der zweimalige deutsche Vizemeister Frederic Wandres (Hagen a.T.W.) mit Duke of Britain.

Zuvor hatten sich die Zuschauer in der Soers über einen deutschen Doppelsieg in der Vielseitigkeit gefreut, doch auch diese Freude währte nicht lange. Dem dreimaligen Olympiasieger Michael Jung (Horb) wurde Platz eins nachträglich aberkannt, Ex-Weltmeisterin Sandra Auffarth (Ganderkesee) zur Siegerin erklärt. Die Richter entschieden nach wiederholter Auswertung der Videos, dass Jung und sein Wallach Chipmunk ein Hindernis auf der Geländestrecke nicht korrekt genommen hatten, Jung fiel in der Gesamtwertung auf Platz acht zurück.

  • Isabell Werth auf dem Pferd DSP
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  • Archivfoto: Der Springreiter Daniel Deußer auf
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  • Die deutsche Reiterin Ingrid Klimke auf
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In der Mannschaftswertung bleibt Deutschland mit deutlichem Rückstand auf Vorjahressieger Großbritannien Zweiter. In dem Wettbewerb war Jung mit seinem Nachwuchspferd Kilcandra Ocean Power gestartet.

Überschattet wurde der Tag in Aachen vom Tod eines der besten Vielseitigkeits-Pferde der Welt. Allstar hatte nach einem Sprung das linke Vorderbein nicht mehr aufgesetzt, zu einem Sturz kam es nicht. „Die Verletzung konnte nicht operiert werden“, sagte Turnierdirektor Frank Kemperman dem WDR: „Die Besitzer haben dann die Entscheidung getroffen.“ Das sei ein schwerer Schlag für die Reiterei, sagte Kemperman: „Aber es war ein Unfall, der immer passieren kann.“

(ako/sid)