CHIO 2019: Drei Ü-50-Reiterinnen sorgen für deutsche Highlights

Werth, Klimke und Schneider überzeugen beim CHIO : Die goldenen Fünfziger

In Isabell Werth, Dorothee Schneider und Ingrid Klimke sorgen drei Ü-50-Reiterinnen für deutsche Highlights beim CHIO. Sie zeigen, wie wichtig Erfahrung im Reitsport ist.

Isabell Werth war noch nicht ganz auf dem Abreiteplatz angekommen, da fing Ursula von der Leyen sie auch schon ab. Die kommende EU-Kommissions-Präsidentin drückte, herzte, beglückwünschte die erfolgreichste Reiterin der Welt, die soeben an ihrem 50. Geburtstag die Grand Prix Kür beim CHIO Aachen gewonnen hatte. Von der Leyen war die wohl prominenteste Gratulantin an einem Tag, an dem Isabell Werth sich mit einer fast perfekten Runde auf ihrem Lieblingspferd Bella Rose und 90,450 Prozentpunkten das wohl größte Geschenk selbst gemacht hatte. Bei der Siegerehrung stimmten 6000 Zuschauer später ein „Happy Birthday“ für sie an.

Die Rheinbergerin machte an diesem Sonntag ihren persönlichen Hattrick der CHIO-Woche perfekt. Vor ihrem insgesamt 13. Sieg in der Aachener Kür hatte sie bereits am Donnerstag den Grand Prix und am Samstag den Grand Prix Spécial gewonnen und ihre Ausnahmestellung in der Dressur untermauert. Hinzu kam der Sieg mit der Mannschaft im Nationenpreis. Das üppige Lob für so viel konstante Perfektion reichte die sechsfache Olympiasiegerin indes umgehend an ihre Stute weiter. „Die Einstellung dieser Stute ist sensationell, auch ihr Charisma. Großartig, dass das so auf den Punkt geklappt hat: Zum Geburtstag, das war das i-Tüpfelchen“, sagte Werth. Ihre langjährige Kontrahentin Anky van Grunsven lehnte es auf Anfrage unserer Redaktion übrigens ab, ­Werths Bedeutung für den Reitsport einzuordnen.

Fragen nach einem nahenden Karriereende wiegelte Werth am Sonntag mit einem Lächeln ab. „Irgendwie scheint das ja sehr interessant zu sein. Es ist noch nicht geplant, aber irgendwann wird es kommen“, sagte sie. Schon tags zuvor hatte Werth im Interview mit unserer Redaktion beim Thema Ruhestand angemerkt: „Ruhestand? Ich werde 50, nicht 100.“

In jedem Fall ordnet sich die amtierende Welt- und Europameisterin nun also in den Kreis der Ü-50-Jährigen Reiterinnen ein. Und der ist im deutschen Team durchaus erlaucht. Dorothee Schneider, die Werth bei der Deutschen Meisterschaft im Juni hatten schlagen können, ist ganze fünf Monate älter. In Aachen wurde die Reitmeisterin jeweils zweite, legte aber auf Showtime Prüfungen hin, die ganz nahe an die von Werth herankamen. „Showi und ich sind jetzt seit zehn Jahren ein Paar. Heute haben wir das erreicht, was unseren Sport ausmacht: die Symbiose zwischen Pferd und Reiter. Ich liebe dieses Pferd einfach und bin überglücklich“, sagte sie.

Die 83.617 Prozent im Grand Prix Spécial waren persönlicher Rekord. Und die 89,660 Prozent auf Platz zwei hätten in vielen Fällen zum Sieg gereicht, wenn es da eben nicht Isabell Werth gäbe. „Doro hat gut vorgelegt, da musste ich Gas geben“, sagte Werth anerkennend.

Doch goldene Fünfziger finden sich aber nicht nur in der erfolgreichen Dressur-Equipe. Am Samstag gewann Ingrid Klimke im zarten Alter von 51 die Vielseitigkeitskonkurrenz mit einem famosen Geländeritt auf ihrem Erfolgspferd Hale Bob durch die Aachener Soers. Für die Reitmeisterin aus Münster ist es der dritte Aachen-Sieg bei 16 Starts, der zweite mit „Bobby“. „Jetzt wünsche ich mir einen Stern im Aachener Walk of Fame“, sagte sie lachend. In der Einzelwertung lag die Münsteranerin vor Teamkollege Michael Jung und dem Australier Christopher Burton.

Trotz eines Ausfalls setzte sich das deutsche Quartett um Klimke und Jung auch in der Mannschaftswertung durch – knapp vor Neuseeland und Australien. Josefa Sommer musste im Gelände aufgeben, weil ihr Pferd Hamilton ein Hufeisen verloren hatte. „Es war völlig richtig, dass sie danach aufgehört hat“, sagte Bundestrainer Hans Melzer: „Das Pferd ist danach gerutscht, das ist einfach Pech.“ Das Team komplettierte Andreas Dibowski.

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