Britta Heidemann beendet offiziell ihre Karriere

Fecht-Olympiasiegerin macht Schluss: Heidemann beendet offiziell ihre Karriere

Britta Heidemann verlässt für immer die Planche. Die Fecht-Olympiasiegerin gibt fast zwei Jahre nach ihrem letzten Wettkampf nun auch offiziell ihr Rücktritt bekannt.

Britta Heidemann lächelt kurz, dann spricht sie ohne große Wehmut das aus, was längst ein offenes Geheimnis war. "Ich habe mich nach einem langen Überlegungsprozess entschieden, dass ich den Degen an den Nagel hängen werde", sagte die Fecht-Olympiasiegerin im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Ich möchte voller Power voraus in die neuen Projekte starten."

656 Tage nach ihrem letzten Wettkampf, der verpassten Olympia-Qualifikation am 17. April in Prag, verlässt eine der erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Fechterinnen der Geschichte für immer die Planche. Dem Sport bleibt Heidemann (35) aber erhalten, denn ihre Funktionärskarriere hat die ambitionierte Kölnerin längst angekurbelt.

Während Olympia in Rio wurde Heidemann mit den meisten Stimmen in die Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt. Außerdem ist die freie Unternehmensberaterin "Botschafterin Sport für Entwicklung" im Bund und seit dem vergangenen August Aufsichtsratsmitglied des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln.

Aufgaben, die sie mit viel Diplomatie angeht. So kann sich die Ex-Weltmeisterin in der Diskussion um die Sanktionen gegen Russland bei den Winterspielen in Südkorea auch nicht für eine Seite entscheiden. Sie begrüße zwar die "harte Entscheidung gegen das russische NOK", auf der anderen Seite sei es auch richtig, dass "kontrollierte und saubere russische Athleten auch teilnehmen dürfen".

Diese diplomatische Haltung hat sie 2008 zu einem der Gesichter der Olympischen Spiele in Peking gemacht. Dort gewann sie nicht nur Gold im Degen-Einzel, die China-Kennerin war auch wegen ihrer Mahnungen zu mehr Diplomatie im Umgang mit dem chinesischen Regime auch ein Gegenpol zu anderen Sportlern wie Teamkollegin Imke Duplitzer, die China massiv kritisierte und die Eröffnungsfeier boykottierte.

"Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen. Ich hatte von heute auf morgen sehr viele Interviews, und ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mitunter sehr schnell und sehr persönlich angegriffen wird", sagt Heidemann.

Sie lebte selbst einige Monate in China, spricht fließend Mandarin und schloss ihr Studium der chinesischen Regionalwissenschaften erfolgreich ab. Als erste ausländische Athletin trat sie in der chinesischen Ausgabe des Aktuellen Sportstudios auf. "Kleiner Mond" wird sie in China genannt. Heidemann reiste als Mittlerin und Türöffnerin mit Delegationen der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft nach China.

Auch dem Fechten möchte Heidemann etwas zurückgeben. Sie unterstützt Projekte, die die Sportart aus dem Schattendasein befreien sollen. "Wir haben Zorro, D'Artagnan, die drei Musketiere, die Star-Wars-Lichtschwerter", sagt sie, "jeder kleine Junge hat im Garten mit einem Stock in der Hand Räuber und Gendarm gespielt. Fechten ist im Grunde allgegenwärtig, es gibt viele Ansätze, die Sportart wieder ins Bewusstsein zurückzuholen."

Am ehesten gelingt das aber über sportliche Erfolge, und für die war früher Heidemann selbst verantwortlich. Neben Gold holte sie bei Olympia noch zweimal Silber (2004 und 2012), dazu insgesamt elf WM-Medaillen. Vermissen werde sie vor allem den Moment, "wenn man im Fechten den letzten Treffer setzt. Das ist ein berauschendes Gefühl."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Britta Heidemann

(can)