Tischtennis: Boll und Borussia: Ein Jahr der Extreme

Tischtennis : Boll und Borussia: Ein Jahr der Extreme

Das Jahr 2011 war für Borussia Düsseldorf das beste ihrer Geschichte. Zum zweiten Mal hintereinander gewann die Tischtennismannschaft um Ausnahmekönner Timo Boll das Triple: Champions League, Meisterschaft und Pokal.

Das i-Tüpfelchen setzte Boll im Mai bei der Weltmeisterschaft in Rotterdam, als er Bronze und damit seine erste WM-Medaille im Einzel errang. Dieser Erfolg überstrahlte auch den fünften EM-Triumph des Weltranglistenvierten im Oktober.

An der Schwelle zum neuen Jahr sind die Sorgen des Klubs nun aber so groß wie noch nie. In Europas Königsklasse haben die Düsseldorfer die Gruppenspiele nicht überstanden, in der Bundesliga liegen sie mit 10:8 Punkten nur auf Platz drei hinter dem 1. FC Saarbrücken (20:0) und dem TTC Fulda-Maberzell (14:6).

Es ist für Borussia ein Jahr der Extreme. Die Rückschläge begannen im Juni, als Christian Süß eine Knorpelabsplitterung im rechten Knie erlitt und dem Team rund fünf Monate lang fehlte. Boll wurde immer wieder durch eine Verletzung oder Krankheit (schwere Grippe) zurückgeworfen, so dass er in wichtigen Begegnungen ersetzt werden musste. Der Ungar János Jakab unterzog sich einer Schulteroperation und ist noch nicht wieder fit. Am Ende des Jahres hat es nun auch Vizeeuropameister Patrick Baum erwischt (Oberschenkelzerrung).

Boll muss offenbar den hohen Belastungen Tribut zollen, die er seinem Körper Jahr für Jahr abverlangt. Er hatte im Sommer keine Pause, weil er in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2012 fast zwei Monate lang in China mit den Assen der Tischtennis-Supermacht trainierte und spielte. Ob Borussia in ihrer Seuchensaison doch noch die Trendwende schafft, hängt davon ab, wie schnell er wieder auf hohem Niveau spielt und Süß zu seiner gewohnten Form findet. "Es dauert noch viele Wochen, bis Christian nach der Verletzung wieder in die Spur kommt. Mit seiner mentalen und spielerischen Verfassung ist er noch lange nicht der Alte", betont Borussias Manager Andreas Preuß.

Beim Pokalturnier am ersten Januar-Wochenende in Stuttgart ist Borussia keineswegs Favorit. Bereits im Viertelfinale droht gegen Liga-Spitzenreiter Saarbrücken die nächste Niederlage. "Unsere Chancen in der Meisterschaft sind noch sehr gut", sagt Preuß. "Wir müssen nur unter die ersten vier kommen, um die Play-off-Runde zu erreichen." Doch der Manager fügt hinzu: "Ich würde jetzt schon unterschreiben, dass wir 2012 gar keinen Titel holen, Timo aber bei Olympia eine Einzelmedaille holt. Denn dann wäre dies ein Event, das auf das gesamte deutsche Tischtennis ausstrahlen und unserer Sportart automatisch guttun würde."

Was Boll für seinen Sport hierzulande bedeutet, zeigen seine Platzierungen bei der Wahl zum Sportler des Jahres. Der Hesse wurde schon dreimal Zweiter (2007, 2008, 2010) und zweimal Dritter (2005, 2011). Eine außergewöhnliche Konstanz. Pech für ihn, dass er dabei jedes Mal nur einer oder zwei überragenden Persönlichkeiten den Vortritt lassen musste.

Tischtennis-Höhepunkte 2012 25. März bis 1. April: Mannschafts-WM in Dortmund 27. Juli bis 12. August: Olympische Spiele in London

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Timo Boll

(RP/chk)
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