Billard-WM in Viersen: Kampf um die Königsdisziplin

Billard-WM in Viersen : Kampf um die Königsdisziplin

Der Billardsport ringt um seine Zukunft. Weil Dreiband als wichtige Disziplin gilt, kämpfte Viersen darum, WM-Ausrichter zu bleiben - und gewann.

Vor drei Jahren hätte die Stadt Viersen ihren Status als Austragungsort der Billard-Weltmeisterschaft für Dreiband-Nationalmannschaften schon mal fast verloren - und zwar an die Niederlande. Kurz vor dieser WM, die ab Donnerstag bis Sonntag zum 29. Mal in unterbrochener Reihenfolge in der Festhalle über die Bühne geht, stand Viersen wegen einer Finanzierungslücke im Etat erneut auf der Kippe. Diesmal sollen die nach Dreibandbillard verrückten Südkoreaner als amtierender Weltmeister ihre Finger ausgestreckt haben. Doch seit einigen Wochen steht es fest: Viersen wird mindestens fünf weitere Jahre WM-Gastgeber sein.

Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) hatte völlig überraschend einen neuen Sponsor präsentiert, woraufhin sich die Deutsche Billard-Union (DBU) und der Weltverband UMB einigten, am Traditionsstandort festzuhalten. Ein international tätiges Unternehmen für Spezialkabel aus dem Viersener Stadtteil Süchteln meldete sich, als publik wurde, dass die Sparda-Bank, die die Veranstaltung seinerzeit vor dem Aus gerettet hatte, ihr Engagement nicht fortsetzt. Ein schöner Zufall in einer schwierigen Phase für die DBU.

Zunächst hatte es 2017 nach heftiger Kritik aus den Landesverbänden einen Wechsel an der Verbandsspitze gegeben. Der wegen seines Führungsstils nicht allseits beliebte Michael John wurde bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung abgewählt. Im Juli folgte ihm der Herner Michael Biermann, der sich unter anderem als langjähriger Präsident des Westfälischen Billardverbandes große Beliebtheit erarbeitet hatte. Doch als gerade wieder etwas Ruhe eingekehrt war, verstarb Anfang Dezember überraschend der langjährige Schatzmeister Dietmar Zenner und hinterließ eine große Lücke im DBU-Präsidium. Als sich dann im Vorfeld der WM auch noch ergab, dass Biermann selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht zur WM kommen kann, sah es nicht gut. Schließlich wollten sich in Viersen alle Beteiligten treffen, um über die Zukunft der WM inklusive Sponsorensuche zu beratschlagen.

Schon in den vergangenen Jahren war immer wieder betont worden, das Sponsoring müsse auf eine breitere Basis gestellt werden. Das gelang nicht. Allerdings verschaffen die unverhofften fünf Jahre Verlängerung jetzt viel Zeit. "Wir wollen uns internationaler aufstellen, müssen aber auch die Bedeutung der WM national mehr herausstellen. In der Außendarstellung gibt es zum Beispiel Verbesserungspotenzial", sagt Cornelius Boensmann, DBU-Generalsekretär aus Dortmund.

Dabei ist es im Vergleich zum Etat von rund 140.000 Euro ein eher geringer Betrag, an dem der WM-Verbleib in Viersen hängt. Es geht um 12.500 Euro, die die Stadt Viersen bis 2015 zusätzlich zur Bereitstellung der Festhalle und zur personellen Unterstützung an die DBU überwies. Als dann aber der Stadtrat den Zuschuss strich, war die DBU nicht mehr bereit, die Lücke mit Eigenmitteln zu schließen. "So wichtig die WM für uns ist. Das wäre den anderen Sparten nicht mehr zu vermitteln gewesen. Wir wollen im Verband alle in etwa gleich behandeln", betont Cornelius Boensmann.

Alle, das heißt Pool, Snooker, Karambolage und Kegelbillard. Was die öffentliche Wahrnehmung betrifft, ist Karambolage vor allem im Vergleich zum TV-Liebling Snooker klar ins Hintertreffen geraten. Doch das spiegelt sich laut Boensmann bei den Mitgliedern nicht wider: "Da viele Billardspieler mehrere Disziplinen betreiben, ist das schwer auseinanderzudividieren. Aber es ist nicht so, dass Vereine, die Snooker anbieten, durch die Decke gehen." Bei den Karambolage-Spielern ist Dreiband zwar die Königsdisziplin, dennoch ist die Spielart kein Selbstläufer mehr.

Seit Jahren wird daran gefeilt, gerade die WM in Viersen für das Publikum attraktiver zu machen. Als weiterer Reformschritt wurde das Teilnehmerfeld von 24 auf 16 Teams reduziert, um die sportliche Qualität zu erhöhen. Allerdings haben offenbar einige Nationen von den damit verbundenen Qualifikationskriterien nichts mitbekommen. So fehlt in diesem Jahr zum Beispiel erstmals Rekordweltmeister Schweden mit der lebenden Dreibandlegende Torbjörn Blomdahl. Das bedauert auch Deutschlands Topspieler Martin Horn aus Essen, der mit seinem Teamkameraden Ronny Lindemann am Donnerstag das Eröffnungsspiel gegen Kolumbien bestreitet. "Dennoch hat das WM-Feld enorme Qualität", glaubt Horn, "ich traue uns aber trotzdem viel zu. Das Halbfinale wollen wir mindestens erreichen. Wir sind einfach mal wieder dran."

(RP)