Beachvolleyball-WM Hamburg 2019: Julius Thole und Clemens Wickler sorgen für Silber-Party

Beachvolleyball : Überraschungs-Duo Thole/Wickler macht die WM zur Party

Zehntausende Zuschauer sind zu den Spielen bei der Beachvolleyball-WM in Hamburg gekommen. Das liegt an der Partystimmung, aber auch an den Erfolgen der deutschen Sportler. Mit Thole/Wickler gibt es seit diesem Wochenende zwei neue Stars der Szene.

Seit Jahren gehört Beach-Volleyball zu den Trendsportarten. Ob direkt am Meer, im Sand an den vielen künstlichen Stadtstränden des Landes oder an Sportplätzen – es braucht einfach nur einen Ball, vier Leute, und der Volleyball kann über das Netz gebaggert oder geschmettert werden. Dafür muss man die Technik nicht mal richtig können und schon gar nicht in einem Verein spielen. Was zählt, ist der Spaß am Ballsport im Sand.

Den hatten in den vergangenen Tagen auch die Deutschen Julius Thole und Clemens Wickler. Bei der Heim-WM in Hamburg spielte sich das überraschend starke Duo ins Finale. Angebtrieben von der mitreißenden Stimmung im Stadion Am Rothenbaum zeigten die beiden Youngster selbst im Halbfinale gegen die Topfavoriten aus Norwegen spektakuläre Ballwechsel und ausgefeilte Technik.

12.000 Menschen kamen am Samstag und Sonntag jeweils in das umgebaute Tennisstadion. Hunderte Fans fanden keinen Einlass mehr, während die im Stadion das deutsche Duo lautstark anfeuerten und für die passende WM-Atmosphäre sorgten. Thole/Wickler heizten die Stimmung mit ihren Aktionen und ihrem lockeren Auftreten weiter an. Thole genoss den Auftritt in seiner Heimat Hamburg sichtlich und spielte sich mit seinem Kollegen immer wieder in einen regelrechten Rausch. Dass die Russen am Ende etwas stärker waren und sich den Titel mit einem 2:1 (19:21, 21:17, 15:11) holten, tat der Stimmung auch nach der Partie keinen Abbruch. „Was ihr in den vergangenen zehn Tagen für uns und die anderen deutschen Teams veranstaltet habt, war der Wahnsinn“, sagte Wickler. „Ohne euch wären wir nicht so weit gekommen.“

Das Zusammenspiel zwischen Sportlern und Fans ist ein Grund, warum der professionelle Beach-Volleyball so erfolgreich ist. 345.000 Zuschauer kamen im vergangenen Jahr zu den insgesamt acht Turnieren der Techniker Beach Tour. Das sind zwar deutlich weniger als noch Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre, aber seit 2012 steigt die Zuschauerzahl wieder deutlich. „Das hat auch mit den Erfolgen bei Olympia und Weltmeisterschaften zu tun“, sagt Niclas Hildebrand, Sportdirektor Beach-Volleyball im Deutschen Volleyball Verband (DVV).

2016 holte das Frauen-Duo Laura Ludwig und Kira Walkenhorst Gold in Rio und ein Jahr später den WM-Titel. Bereits 2012 in London gewannen Julius Brink und Jonas Reckermann bei den Herren. „Die Halbfinals und Finals haben damals mehr als sechs Millionen Menschen im TV gesehen. Solche Erfolge begeistern die Menschen für einen Sport, und viele sind dabei geblieben“, sagt Hildebrand.

Zum diesjährigen Event der Beach-Tour in Düsseldorf kamen im Mai 2019 an drei Tagen insgesamt 28.000 Zuschauer. Die Tour in Deutschland gehört zu den besten der Welt. Auch organisatorisch. Der Verband bietet den Zuschauern nicht nur Sport, sondern auch Daten. Um die Spiele noch verständlicher zu machen, zeigen die Veranstalter die Leistungsdaten der Spieler oder das Tempo des Balls an.

Das sei aber nicht der einzige Grund, warum die Leute gerne zu den Spielen kommen. „Beach-Volleyball ist erstens barrierefrei. Jeder kann einfach so vorbeikommen. Die Tour kostet nicht mal Eintritt. Zweitens ist es auch attraktiv, weil es Beachfeeling und Urlaubsgefühl vermittelt. Beach-Volleyball wird immer auch mit Party assoziiert“, sagt der Sportdirektor. Und diesen Ruf pflegt der DVV – bei der Beach-Tour genauso wie bei den Weltmeisterschaften in Hamburg. Mit einem gut durchgeplanten Event, mit Partymusik, mit Tausenden Deutschland-Fähnchen, mit einem Stadionsprecher, der für neue Fans die Sportart genauso gut erklärt, wie er die Stimmung auf den Tribünen anheizt.

Doch den Beach-Volleyball-Sportdirektor freut nicht nur der Zuschauerzuspruch. Die sportliche Leistung von Thole/Wickler war vom Verband so nicht eingeplant, spielt das Duo doch erst seit 2018  zusammen. „Realistisch gesehen, können sie bei der WM zwischen Platz neun und fünf erreichen. Alles darüber hinaus wäre nicht leistungsgerecht“, sagte Hildebrand vor dem Wochenende. Nun darf er sich mit den beiden über die Silbermedaille freuen. Die Frauen-Teams des DVV blieben hingegen hinter den Erwartungen zurück. Alle drei Teams hätten von ihrer Qualität die Chance gehabt, eine Medaille zu gewinnen, sagt Hildebrand. Allerdings erreichte nur das Duo Karla Borger/Julia Sude, das für Düsseldorf startet, das Achtzehntel-Finale und schied dort aus.

Da, wo die Beach-Volleyballer schon sind, wollen die Hallen-Volleyballer bald schon wieder hin. Ihre Bundesliga findet sogar im Free-TV statt. Dennoch scheinen sie im Schatten ihrer Beach-Kollegen zu stehen. Immerhin mehr als 400.000 Mitglieder haben die Hallen-Volleyballer im DVV. Es gibt mehr als 7000 Vereine. An Spielern mangelt es in der Breite also nicht. Wohl aber an Stars wie im Beach-Volleyball. „Klar würden mehr Leute in die Halle kommen, wenn Laura Ludwig mitspielt. Aber auf der Ebene können die Beach-Volleyballer im Winter nicht mehr zusätzlich in der Halle spielen“, sagt Hildebrand. Die Volleyballer müssen es also alleine in der Zuschauergunst nach oben schaffen, und das gehe vor allem über Erfolg.

Die deutschen Erfolge in der Halle sind in den vergangenen Jahren vor allem bei den Frauen ausgeblieben. Sie waren lange nicht mehr für Olympia qualifiziert. Das soll sich 2020 in Tokio ändern, sagt Hildebrand. „Die Bundesliga läuft im Free-TV, zum DVV-Pokal kamen 12.000 Zuschauer – der Zuspruch ist da“, sagt Hildebrand. „Wir sind noch nicht da, wo Handball oder Basketball aktuell sind. Das muss unser Ziel sein.“ Die Handballer würden ständig in der Weltspitze mitspielen. Da müsse auch der deutsche Volleyball wieder hin.

Thole/Wickler sind dort vorerst angekommen. Sie ließen sich zu recht in Hamburg feiern. Nun gilt es, sich für Olympia weiter zu verbessern, um auch in Tokio 2020 um die Medaillen mitzuspielen.

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