Mayer und Barna weiter: Australian Open: Auch Kiefer und Weingärtner ausgeschieden

Mayer und Barna weiter : Australian Open: Auch Kiefer und Weingärtner ausgeschieden

Melbourne (rpo). Nach Rainer Schüttler haben auch die Tennisprofis Nicolas Kiefer und Marlene Weingärtner die erste Runde bei den Australian Open nicht überstanden. Damit hat deutsche Team die schlechteste Bilanz seit 1979 hingelegt. Allein Florian Meyer konnte überzeugen.

Nur der Nobody Florian Mayer und die deutsche Meisterin Anca Barna verhinderten die totale Erstrunden-Blamage. Am Tag nach dem überraschenden Abschied des ausgebrannten Vorjahresfinalisten Rainer Schüttler ging auch der hilflose Nicolas Kiefer beim 3:6, 6: 4, 3:6, 4:6 gegen den Italiener Filippo Volandri mit einer wieder einmal desolaten Leistung unter.

Von den neun gestarteten Deutschen müssen sieben nach dem ersten Spiel wieder die Heimreise antreten. Den einzigen Hoffnungsschimmer auf eine bessere Zukunft verbreitete im heißen Melbourne ausgerechnet der 20 Jahre junge Qualifikant Mayer, dem nur ein Zuschuss seiner Eltern zur Reise ans Ende der Welt verholfen hatte.

"Natürlich bin ich unheimlich zufrieden mit mir, aber diese Bilanz ist traurig für das deutsche Tennis", erklärte Mayer. Die Nummer 219 der Welt gab den Stars der deutschen Szene beim überraschenden 7:5, 6:4, 6:3 gegen das erst 17 Jahre alte französische Supertalent Richard Gasquet eine Lektion in Sachen Siegermentalität und variablem Tennisspiel. Mit krachenden Aufschlägen, gefühlvollen Stopps und ganz besonders der eingesprungenen beidhändigen Rückhand begeisterte der Bayreuther auf Nebenplatz vier die wenigen deutschen Fans.

"Ich war schon ziemlich nervös, denn das ist mein erstes Grand-Slam-Turnier, und die ganzen Topspieler in der Umkleidekabine zu sehen, ist überwältigend", meinte der bereits jetzt mit dem Rekordpreisgeld von 17.000 Euro belohnte Mayer: "Aber ich versuche einfach, Spaß zu haben." Auch im kommenden Duell mit dem argentinischen Geheimfavoriten David Nalbandian: "Vielleicht kann ich ihn ja überraschen, an mir sind schon viele verzweifelt", meinte der Nobody mit einem Grinsen.

An dunkle Zeiten erinnert

Daviscup-Teamchef Patrik Kühnen war schon vor dem tollen Auftritt des Youngsters das Lachen vergangen. 1983 war die Bilanz der damals überhaupt nicht in Runde zwei vertretenen deutschen Herren letztmals schlechter gewesen, aber damals sprang immerhin Viertelfinalistin Sylvia Hanika in die Bresche. 1979 scheiterten die letzten beiden Deutschen in Runde zwei, und an diese dunklen Zeiten des deutschen Tennis fühlt sich Kühnen derzeit erinnert: "Das war nicht bescheiden, sondern sehr schlecht."

Das beste Beispiel lieferte wieder einmal Kiefer, der gegen Volandri einmal mehr an sich selbst scheiterte. Der Tennisspieler von der traurigen Gestalt schoss sich mit 48 unnötigen Fehlern selbst aus dem Turnier. "Die Handbremse ist noch angezogen, ich muss das Ding einfach mal lösen. Vielleicht denke ich zu viel nach", meinte die einstige Nummer vier der Welt mit einem Kopfschütteln.

Den Kopf in den Sand stecken will Kiefer nach "all den Investitionen in den Sport" trotzdem nicht, auch eine Tennispause a la Schüttler ist nicht geplant. Gleiches gilt für den Wimbledon-Viertelfinalisten Alexander Popp (Mannheim), der gegen den aufschlagstarken Schweden Joachim Johansson beim 4:6, 6:7 (3: 7), 4:6 keine Chance hatte.

Niederlage gegen Clijsters

Kein gutes Spiel, aber immerhin ein 2:6, 6:0, 7:5-Sieg stand für die deutsche Meisterin Anca Barna gegen die Kanadierin Maureen Drake zu Buche. Beim Stand von 3:5 im Finalsatz wehrte die schlanke 26-Jährige einen Matchball ab und winkte nach dem Triumph erleichtert den Fans zu. Ihre nächste Gegnerin Lisa Raymond (USA) hat sie im Vorjahr an gleicher Stelle in der zweiten Runde geschlagen.

Damals war Barna als letzte Deutsche gemeinsam mit Marlene Weingärtner (Moers) ausgeschieden, diesmal verabschiedete sich die Kollegin mit einem 3:6, 2:6 gegen die an Nummer zwei gesetzte Kim Clijsters in Runde eins. Eine neue Sensation wie der Sieg im Vorjahr gegen Titelverteidigerin Jennifer Capriati (USA) war aber gegen die belgische Powerfrau außer Reichweite.

Die größte Überraschung an Tag zwei war so das Aus für den an Nummer fünf gesetzten Argentinier Guillermo Coria, der 6:7 (7:9), 2: 6, 4:6 gegen den Franzosen Cyril Saulnier verlor. Der in diesem Jahr noch ungeschlagene Lokalmatador Lleyton Hewitt profitierte im dritten Spiel in Folge von der Verletzung seines Gegners Cecil Mamiit (USA).

Herren: Florian Mayer (Mannheim) - Richard Gasquet (Frankreich) 7: 5, 6:4, 6:3 Mayer damit in der zweiten Runde gegen David Nalbandian (Argentinien/Nr. 8)

Joachim Johansson (Schweden) - Alexander Popp (Mannheim) 6:4, 7:6 (7:3), 6:4

Filippo Volandri (Italien) - Nicolas Kiefer (Hannover) 6:3, 4:6, 6: 3, 6:4

Damen: Anca Barna (Moers) - Maureen Drake (Kanada) 2:6, 6:0, 7:5 Barna damit in der zweiten Runde gegen die Siegerin der Partie Lisa Raymond (USA/25) und Maria Sanchez Lorenzo (Spanien)

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