CHIO in Aachen "Altstars" jagen letzte Olympia-Tickets

Aachen · Selten zuvor war die Spannung vor einem CHIO so groß wie in diesem Jahr. Beim weltweit größten Pferdesportfest ab Dienstag in der Soers werden die Tickets für Olympia vergeben.

Das ist Isabell Werth
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Foto: dpa, frg tba

Isabell Werth greift nach dem letzten Strohhalm, Ludger Beerbaum muss auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen: Die "Altstars" des deutschen Reitens, die es gemeinsam auf neun olympische Goldmedaillen bringen, kämpfen beim CHIO in Aachen ab Dienstag um ihre letzte Chance auf ein Ticket für London (27. Juli bis 12. August). Am Ende der Aachener Woche werden 14 Tickets vergeben. Für Spannung ist also gesorgt, auch wenn Millionenpferd Totilas nicht am Start ist.

"Die Würfel sind noch nicht gefallen", sagte Otto Becker. Der Bundestrainer der Springreiter räumte aber ein, dass die für den Nationenpreis am Donnerstag nominierten fünf Reiter im internen Ranking vorne liegen. Dazu zählen die Team-Weltmeister Janne-Friederike Meyer (Schenefeld) und Marcus Ehning (Borken), die früheren Europameister Christian Ahlmann (Marl) und Marco Kutscher (Hörstel) sowie Youngster Philipp Weishaupt (Riesenbeck).

Beerbaum unter Druck

Unter Zugzwang steht Routinier Beerbaum. Bei den letzten sechs Olympischen Spielen war er immer eine feste Größe, dieses Mal gehört der 48-Jährige nicht zur ersten Wahl. "Er war in seinen Leistungen nicht so konstant wie die anderen, vor allem bei den Turnieren in Balve und Cannes", sagte Becker. Beerbaum akzeptiert seine Außenseiter-Rolle. "Ich weiß, dass ich hinten dran bin. Aber ich werde bis zuletzt kämpfen."

Nicht mehr in Frage kommt Vize-Europameister Carsten-Otto Nagel zu. Der 49 Jahre alte Vize-Europameister aus Wedel bei Hamburg verzichtete am Wochenende auf einen Start beim CHIO und bei Olympia, weil seine Stute Corradina in Folge einer Zahn-Operation nicht rechtzeitig fit wurde. "Natürlich bin ich traurig, aber im Sinne von Corradina ist das die richtige Entscheidung", sagte Beckers Musterschüler Nagel, der die deutsche Equipe 2010 zum Welt- und 2011 zum Europameistertitel geführt hatte.

Die Dressur erlebte zuletzt ein wahres Wechselbad der Gefühle. Erst verstarb Bundestrainer Holger Schmezer beim Weltcup-Finale im April, dann erlebte die fünfmalige Olympiasiegerin Isabell Werth (Rheinberg) bei den deutschen Meisterschafen ein Debakel und schließlich erkrankte Totilas-Reiter Matthias Rath. "Es sind bewegende Zeiten, doch wir werden in Aachen eine starke Mannschaft aufbieten", sagte Bundestrainer Jonny Hilberath.

Angeführt von "Shooting-Star" Helen Langehanenberg mit Damon Hill wird ein Damen-Quartett die deutschen Fahnen ab Donnerstag in der Soers vertreten. Anabel Balkenhol (Rosendahl) mit Dablino gehörte immerhin schon zum WM-Kader 2010, während Kristina Sprehe (Dinklage) mit Desperados und Dorothee Schneider (Framersheim) mit Diva Royal noch nie für Deutschland geritten sind.

"Sie wird nicht tatenlos zusehen"

Werth darf nach ihren zuletzt mageren Leistungen nur in der kleinen Tour ab Mittwoch reiten. Die 42-Jährige sprüht vor Ehrgeiz, zumal ihr Top-Pferd Don Johnson seine Fesselgelenkzerrung auskuriert hat, und will sich empfehlen. "Sie wird nicht tatenlos zusehen", glaubt Hilberath. Werth hätte noch bessere Chancen, wenn Totilas-Reiter Matthias Rath wegen der Erkrankung am Pfeifferschen Drüsenfieber seinen London-Start absagt. Die Entscheidung wird am Freitag erwartet. Drei Reiter und ein Einzelreiter gehen in London an den Start.

In der Vielseitigkeit sind erste Entscheidungen gefallen. Welt- und Europameister Michael Jung (Horb) und Vize-Europameisterin Sandra Auffarth (Ganderkesee) haben ihre Tickets sicher. Die anderen drei Starter werden in Aachen ermittelt. Zu den heißesten Kandidatinnen gehört Ingrid Klimke, die vor vier Jahren mit der deutschen Mannschaft in Hongkong Olympiasiegerin geworden war.

(sid)