Gelsenkirchen: 3:3 – Hamburger SV schockt Schalke

Gelsenkirchen : 3:3 – Hamburger SV schockt Schalke

Zum Auftakt liefern sich die beiden Teams eine höchst unterhaltsame Begegnung mit vielen Fehlern und einer stetig wechselnden Führung. Der HSV wirkt stärker als in der Vorbereitung auf die Saison.

Auf Schalke haben sie eine Sommerpause lang von sich selbst geschwärmt. Das war sicher durchaus wohltuend nach Jahren im langen Schatten von Bayern München und natürlich vor allem von Borussia Dortmund. In Gelsenkirchen hat man dazu kräftig aufgerüstet. Bei den Investitionen konzentrierte man sich auf die kreativen Kräfte. Leon Goretzka aus Bochum, Christian Clemens aus Köln und Adam Szalai aus Mainz wurden verpflichtet. Weniger intensiv beschäftigte man sich mit der Defensivabteilung. Möglicherweise war das keine ganz so gute Idee. Beim 3:3 zum Saisonauftakt gegen den Hamburger SV bekamen die Königsblauen jedenfalls recht eindrucksvoll vorgeführt, was auf dem Weg zum Spitzenteam noch fehlt: ein funktionierender Abwehrverbund.

Klaas-Jan Huntelaar sorgte erst einmal für gute Stimmung. Der Angreifer, Anfang der Woche kam seine Tochter Puck zur Welt, schob ziemlich humorlos zum Führungstreffer nach zwei Minuten ein. Bedient wurde er mustergültig von Schalkes Spielgestalter Julian Draxler. Das sah alles schon sehr durchdacht aus und nährte die Hoffnung auf weitere Offensivbemühungen in Blau und Weiß. Die kamen indes nicht, auch weil sich Draxler früh verletzte (Achillessehnenprellung, er fällt für das Länderspiel am Mittwoch gegen Paraguay aus) und nach 23 Minuten für Goretzka Platz machen musste. Bis dahin geriet die Abwehr der Knappen gehörig in Not. Innenverteidiger Joel Matip bekam den Ball nach einer Flanke von Marcell Jansen an die Hand, HSV-Kapitän Rafael van der Vaart verwandelte den berechtigten Elfmeter zum Ausgleich sicher.

Die Hausherren waren danach völlig von der Rolle, ließen sich von den Gästen komplett das Spiel aus der Hand nehmen. Besonders bemerkenswert war die Passivität der beiden Schalker Sechser. Jermaine Jones trabte weitestgehend am Spielgeschehen vorbei, Roman Neustädter lieferte einen Auftritt nah an der Bewertung ungenügend ab. Viel zu oft wurde der Ball nur hin und her geschoben, niemand wollte wirklich Verantwortung übernehmen. Die Norddeutschen witterten ihre Chance und erhöhten den Druck auf eine immer stärker verunsicherte Hintermannschaft. Maximilian Beister brachte sein Team per Kopfball in Führung (23.) – Timo Hildebrand im Tor der Schalker sah allerdings nicht nur in dieser Szene unglücklich aus.

Vor einem deutlich unruhigeren Gang in die Kabine bewahrte Huntelaar seine Mitspieler. Quasi mit dem Pausenpfiff erzielte er das schmeichelhafte 2:2. Der Österreicher Christian Fuchs hatte ihn angespielt – es war für lange Zeit die einzig sehenswerte Aktion des Außenverteidigers. Sowohl Fuchs als auch Atsuto, genannt Uschi, Uchida vermochten es nicht, wenigstens etwas Druck zu entwickeln.

Daran änderte sich auch nach dem Wechsel kaum etwas. Der HSV machte nicht viel, das aber konsequent – Lasse Sobiechs Tor (49.) offenbarte wiederholt die Schalker Harmlosigkeit in der Abwehr. Mit noch etwas mehr Einsatz hätten die Hamburger früh für die Entscheidung sorgen können.

Schalke glich aber wieder aus, weil Nationaltorwart René Adler ein Schüsschen von Clemens abprallen ließ, Szalai vollstreckte. "Das waren dumme Gegentore", sagte Adler. Und Huntelaar war ehrlich genug zuzugeben: "Ein Unentschieden war für uns das Maximale. Natürlich sind wir damit nicht zufrieden."

(RP)
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