3:1 – Özil führt junges Team

3:1 – Özil führt junges Team

Mit dem siebten Sieg im siebten Qualifikationsspiel hat die deutsche Nationalmannschaft die Qualifikation für die EM im kommenden Jahr praktisch sicher. Das Durchschnittsalter beim Sieg in Aserbaidschan betrug 23,9 Jahre.

Baku Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft kann beruhigt ihren Urlaub antreten. Nach etwas holprigem Start löste sie gestern Abend ihre letzte Pflichtaufgabe der Saison erfolgreich und gewann das EM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan in Baku 3:1. Bundestrainer Joachim Löw kann nun noch fester mit der Endrunde in Polen und der Ukraine planen. Ein Sieg am 2. September in Gelsenkirchen gegen Österreich, und seine Mannschaft hätte sich als erste Nation sicher qualifiziert. Löws Amtskollege in Aserbaidschan, Berti Vogts, muss dagegen noch stärker um seinen Job bangen.

Vor dem Tofiq-Bahramov-Stadion von Baku steht eine lebensgroße Statue des Namenspatrons, stets mit einem Strauß frischer Blumen zu ihren Füßen. Das wäre nicht weiter ungewöhnlich — wenn dieser Namenspatron nicht eine aus deutscher Sicht höchst umstrittene Persönlichkeit gewesen wäre. Tofiq Bahramov war der Linienrichter aus der damaligen Sowjetunion, der im Weltmeisterschafts-Finale von 1966 auf Tor entschied, nachdem der vom Engländer Geoffrey Hurst geschossene Ball an die Unterkante der Latte und von dort auf (oder sogar vor) die Torlinie gesprungen war. Das legendäre Wembley-Tor war geboren, und Deutschland hatte den WM-Titel auf höchst unglückliche Weise an Gastgeber England verloren.

Um der bitteren Ironie die Krone aufzusetzen: Das Bahramov-Denkmal bekamen die Aserbaidschaner nach dem Tod ihres prominenten Landsmanns 1993 gestiftet — sinnigerweise von der Gemeinschaft der im Kaukasus-Staat lebenden Engländer. Hurst selbst enthüllte es, assistiert von Sepp Blatter und Michel Platini, heute Präsidenten der Fifa (Weltverband) und Uefa (Europa).

Gestern befanden sich keine Engländer in der Nähe. Sicherlich schon ein gutes Omen für die Deutschen, auch wenn Wembley durch die Hintertür doch eine Rolle spielte: Wie vor knapp vier Jahren in Londons Prachtstadion agierte der etatmäßige Außenverteidiger Philipp Lahm wieder als "Sechser" im defensiven Mittelfeld. Aus der Personalnot heraus krempelte Löw sein Team auch an anderen Stellen kräftig um. Der Schalker Benedikt Höwedes verteidigte für Lahm rechts, Dennis Aogo ersetzte Marcel Schmelzer links, Holger Badstuber Arne Friedrich im Abwehrzentrum.

Gleich drei Umstellungen in der Defensive also gegenüber dem 2:1 in Österreich am Freitag — kein Wunder, dass dies anfangs einige Probleme bereitete. Doch nach einer Schrecksekunde, als Yugar Nadirow nach kapitalem Fehlpass von Mats Hummels die Latte traf, brachte Mesut Özil den hohen Favoriten in die Spur. Nach einer halben Stunde schloss der Mann von Real Madrid einen kurzen Sprint mit dem Schuss zum 0:1 ab, elf Minuten später bediente er Mario Gomez zum 0:2. Kurz vor Schluss nutzten die Gastgeber eine Unaufmerksamkeit der deutschen Abwehr zum Anschlusstreffer, doch konnte André Schürrle, für Lukas Podolski eingewechselt, den alten Abstand wiederherstellen.

Die einleitenden Worte Oliver Bierhoffs erfuhren so ihre Bestätigung. "Wir haben Respekt vor den Aserbaidschanern, denn sie haben die Türkei hier in Baku 1:0 geschlagen", sagte der Teammanager. "Sie können uns in Schwierigkeiten bringen, wenn wir nicht ordentlich spielen." Doch sobald die DFB-Elf Ordnung in ihr Spiel gebracht hatte, war es mit den Schwierigkeiten vorbei. Brillant war ihre Darbietung zwar auch nach dem Wechsel nicht, weil im Spiel ohne Ball die Laufbereitschaft fehlte. Die Partie aber hatten die Deutschen lange sicher im Griff, und so hatten die 700 mitgereisten Anhänger Spaß.

(RP)
Mehr von RP ONLINE