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Reisen: Eine Stadt, die Fahrrädern Vorfahrt gibt

Reisen : Eine Stadt, die Fahrrädern Vorfahrt gibt

Städtereisen können für junge Leute langweilig sein. Nicht so in Münster in Westfalen. Die Studentenstadt tickt etwas anders. Eine Erkundung per Fahrrad, ein Verkehrsmittel, das in Münster mancherorts Vorrang hat.

Münster liegt im Herzen des Münsterlandes und gilt mit mehr als 300.000 Einwohnern als Großstadt. Dazu zählen auch die rund 55.000 Studenten, denn die Westfälische Wilhelms-Universität gehört zu den größten in Deutschland. Aber was macht Münster so besonders? Schon bei der Ankunft wird klar: Münster ist eine Fahrradstadt. Man schätzt die Anzahl der Räder auf mehr als 800.000. Darum macht man eine Stadtführung am besten auch mit dem Fahrrad.

Startpunkt ist das Herz der Stadt: der Prinzipalmarkt. Eine historische Kaufmannsstraße, die von charmanten Giebelhäusern und Bogengängen gesäumt ist. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Prinzipalmarkt völlig zerstört, in der Folgezeit aber nach historischem Vorbild wieder komplett aufgebaut. Sogar das alte Kopfsteinpflaster hat man belassen, sodass man sich ein bisschen in der Zeit zurückversetzt fühlt.

Hier kann man auch das Wahrzeichen der Stadt bewundern: das historische Rathaus mit dem Friedenssaal. Dort wurde 1648 das Ende des 30-jährigen Krieges mit dem Westfälischen Frieden besiegelt.

Das nächste geschichtsträchtige Highlight liegt ganz nahe, denn die imposante Kirche St. Lamberti steht am Ende des Prinzipalmarktes. Markant sind die drei Käfige am Turm der Kirche. Diese erinnern an die Hinrichtung der drei Anführer der Wiedertäufer, einer radikalreformatorisch-christlichen Bewegung im 16. Jahrhundert.

Obwohl die nächste Station der Radtour wieder eine Kirche ist, bleibt diese Stadtführung interessant. Der St.-Paulus-Dom hat als Hauptkirche des Bistums eine besondere Bedeutung. Die Figur des heiligen Christophorus hat den Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg als Einzige überstanden. Im Dom findet sich auch das Grab des Kardinals von Galen, der sich gegen die Nationalsozialisten auflehnte. Sehr sehenswert ist außerdem eine astronomische Uhr. Kaum vorstellbar, dass diese schon seit 1540 exakt läuft und über solche Angaben wie Tierkreiszeichen und Mondphasen verfügt. Dazu kommen das Glockenspiel und die sich drehenden Figuren, die um Punkt 12 Uhr erscheinen.

Nach so viel Geschichtskunde ist jetzt der richtige Moment für eine Auszeit und ein Eis. Aber bitte nicht irgendeines. Das beste Eis weit und breit gibt es im Eiscafé Firenze. Dafür lohnt sich das Warten in der Schlange vor dem Tresen auf jeden Fall.

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Danach heißt es wieder den Drahtesel besteigen und weiterfahren. Nach wenigen Querstraßen findet man sich plötzlich auf einer dicht mit Bäumen begrünten Straße wieder, die nur für Radfahrer und Fußgänger erlaubt ist, der Promenade. Auf dem 4,5 Kilometer langen Grünstreifen, der rund um die Innenstadt verläuft, fühlt man sich weit weg vom geschäftigen Trubel, ist aber doch mittendrin. Von hier führt der Weg weiter zum herrschaftlichen Residenzschloss, das heute von der Uni genutzt wird. Auf dem Weg gibt es etwas zu entdecken, was nicht alle Städte vorweisen können: ein Hinweisschild für eine Fahrradstraße. Hier haben Fahrräder ausdrücklich Vorrang!

Beim nächsten Halt am Freilichtmuseum Mühlenhof kann man zur Stärkung mit etwas Glück eine Mettwurst von einem Kiepenkerl erstehen, einem ehemaligen wandernden Händler mit seiner Kiepe auf dem Rücken.

Zum Abschluss radelt man am besten zur Freizeitoase der Stadt: dem Aasee. Wunderschön und sehr zentral gelegen ist er ein beliebter Erholungsort für alle Münsteraner. Münster ist wirklich einen Städtetrip wert. Egal ob Rentner, Studenten oder Eltern mit Kindern — auf jeden Fall sollte man die Stadt unbedingt mit dem Fahrrad erkunden, wie ein echter Münsteraner.