"Ziel ist die freie arabische Welt"

"Ziel ist die freie arabische Welt"

Abdallah Frangi, Berater von Palästinenserpräsident Abbas

Chaos in Ägypten. Muss Präsident Mubarak zurücktreten?

Frangi Der ägyptische Präsident kann nicht einfach gehen. Er hat in seiner TV-Ansprache ja angekündigt, im September nicht erneut anzutreten, er hat die Regierung erneuert und Gespräche mit der Opposition vorgeschlagen. Nun muss Mubarak einen Übergangsprozess einleiten, bei dem sein neuer Vize-Präsident Omar Suleiman eine wichtige Rolle spielt. Ein Konsens zwischen der Übergangsregierung, dem Militär und dem Volk ist möglich.

Fürchten Sie, dass die Radikalen in Ägypten an die Macht kommen?

Frangi Das ist das große Problem. Die Jugend, die nun auf den Straßen Kairos demonstriert, kann nicht davon ablenken, dass die Muslimbruderschaft stark ist und mehr Einfluss haben will. Wir haben in Gaza erlebt, wie nach einem Transformationsprozess die radikale Hamas erstarkt ist.

Was heißt das für den Nahost-Friedensprozess?

Frangi Was in Ägypten passiert, beeinflusst die gesamte arabische Welt. Es ist gut, dass Präsident Mubarak Gespräche mit der Opposition angekündigt hat. Daran haben auch wir ein großes Interesse. Ägypten war viele Jahre ein stabiler Partner im Friedensprozess zwischen Israel und Palästina. Israel sollte die Gelegenheit nutzen, mit konkreten inhaltlichen Angeboten den Friedensprozess zu beleben.

Was meinen Sie?

Frangi Die arabische Welt wartet auf Ergebnisse im Nahost-Friedensprozess. Der Frust und die Enttäuschung der Menschen, die jetzt demonstrieren, sind auch darauf zurückzuführen, dass es eine Stagnation bei den Friedensbemühungen zwischen Israel und Palästina gibt. Israel muss dem Siedlungsstopp zustimmen und bei der Frage der Festlegung der Grenzen und des Status von Jerusalem auf die Palästinenser zugehen. Der Staat Palästina unter dem Dach der Vereinten Nationen ist das Ziel.

Steht am Ende des Prozesses Freiheit oder Islamismus in der arabischen Welt?

Frangi Ziel muss eine freie arabische Welt sein. Nur darf sich der Westen das nicht so einfach vorstellen. Der Lebenslauf einer Demokratie in der arabischen Welt ist anders als in den USA oder Europa. Sicher ist, dass die jungen Generationen sich gegen Stagnation und Willkür eines Herrschaftsregimes zusehends auflehnen werden. Ziel ist bei jeder Bewegung mehr Freiheit.

Michael Bröcker stellte die Fragen.

(RP)
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