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El-Kaida-Prozess in Hamburg: Zeuge: Angeklagter Motassadeq bei Bin Laden

El-Kaida-Prozess in Hamburg : Zeuge: Angeklagter Motassadeq bei Bin Laden

Hamburg (rpo). Der Angeklagte im Hamburger El-Kaida-Prozess, Mounir El Motassadeq, soll Kontakt zu Osama Bin Laden gehabt haben. Ein früherer Leibwächter des Terrorchefs will ihn unter den Zuhörern gesehen haben, als Bin Laden in einer Moschee Hetzreden gegen Amerika gehalten habe.

Der Angeklagte hatte vor Gericht zwar eingeräumt, zu einer Schießausbildung in Afghanistan gewesen zu sein, jedes Zusammentreffen mit Bin Laden aber bestritten. Motassadeq soll als Vertrauter des Todespiloten Mohammed Atta in die Planung der Anschläge in den USA eingebunden gewesen sein. Er wird der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen beschuldigt.

Der aus Jordanien stammende Zeuge war erstmals 1995 nach Deutschland gekommen. Er gab sich als Palästinenser aus dem Irak aus und stellte unter falschem Namen einen später anerkannten Asylantrag. Der Zeuge, der in Begleitung mehrerer Kriminalbeamter vor Gericht erschien, sitzt gegenwärtig in Untersuchungshaft. Der Jordanier soll als Mitglied der Terrorgruppe Al-Tawhid einen Terroranschlag in Deutschland geplant haben. Bei einer bundesweiten Razzia gegen die sunnitisch-palästinensische Terrorbewegung im vergangenen April waren der 25-Jährige und zehn weitere Verdächtige festgenommen worden. Nach Angaben von Generalbundesanwalt Kay Nehm waren mehrere der Festgenommenen in afghanischen Camps der El Kaida ausgebildet worden.

Neben der militärischen Ausbildung hätten Bin-Laden-Vorträge der ideologischen Schulung in dem Lager gedient, sagte der Jordanier aus. Der Terrorchef habe erklärt: "Wir werden Amerika an der Wirbelsäule treffen". Es sei von tausenden Toten die Rede gewesen, konkrete mögliche Anschläge seien aber nicht angesprochen worden. Den Angeklagten habe er im Sommer 2000 etwa drei Mal in dem Camp bei Kandahar getroffen. Kennen gelernt habe der den Angeklagten durch Ramzi Binalshibh. Der inzwischen in Pakistan gefasste mutmaßliche Terrorist habe ihm El Motassadeq vorgestellt.

(RPO Archiv)