Wulff sucht den Befreiungsschlag

Wulff sucht den Befreiungsschlag

Am Ende eines beispiellosen Ermittlungsverfahrens ist von den Beschuldigungen gegen Christian Wulff kaum etwas übrig geblieben. Nichts vom anfangs anrüchigen Hauskredit, nichts von Urlauben in den Domizilen Prominenter, nichts von vergünstigten Autos bis zum geschenkten Bobbycar. Einzig eine Hotelrechnung aus München belegt nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft, dass sich Wulff von einem Filmproduzenten hat bestechen lassen. So ganz sicher sind sich die Staatsanwälte aber nicht, ob das einen Prozess erfordert. 20 000 Euro und ein indirektes Schuldanerkenntnis Wulffs und sie hätten darauf verzichtet.

Wollten sie sich selbst aus der Affäre ziehen, so haben sie Wulff falsch eingeschätzt. Der Präsident Wulff hielt schon seinen Umgang mit der Affäre für in Ordnung, obwohl es ein katastrophales Krisenmanagement war. Der Jurist Wulff ist sich umso sicherer, dass der Bestechungsvorwurf ihn nicht trifft. Deshalb sucht er den Befreiungsschlag. Dafür hat er deutlich bessere Karten als seinerzeit beim Versuch, aus dem Geflecht aus Urlauben, Vergünstigungen, Mailbox-Drohungen und widersprüchlichen Teilwahrheiten herauszukommen. Juristisch könnte ihm gelingen, was politisch nicht klappen konnte.

(RP)
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