Wulff bedauert "falschen Eindruck"

Wulff bedauert "falschen Eindruck"

Berlin/Düsseldorf Bundespräsident Christian Wulff, der seit Juli 2010 Staatsoberhaupt ist, sieht nach eigenen Worten ein, dass es besser gewesen wäre, wenn er als ehemaliger Ministerpräsident die Anfrage im niedersächsischen Landtag nach geschäftlichen Beziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens umfassend beantwortet hätte. Wulff hatte seinerseits zwar Geschäftsbeziehungen zu dem "väterlichen Freund" korrekt verneint, den Privatkredit von Geerkens' Ehefrau Edith jedoch unerwähnt gelassen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte erfreut. Diese Erklärung sei wichtig und habe zur Klärung beigetragen, sagte sie. Die SPD zollte Wulff Respekt, vor allem auch wegen dessen Aussage, dass er für umfassende Transparenz in der Angelegenheit sorgen wolle. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sagte: "Jeder Mensch kann Fehler machen."

Auch die Politikwissenschaftler Gerd Langguth (Bonn) und Ulrich von Alemann (Düsseldorf) zeigten sich gegenüber unserer Zeitung zufrieden mit der Erklärung des Staatsoberhauptes. Langguth meinte, die Sache werde enden wie ein Sturm im Wasserglas. Allerdings müsse Wulff ab jetzt damit leben, dass er unter Beobachtung stehe. Er dürfe sich keine weiteren Stilfehler erlauben. Von Alemann bezeichnete Wulffs Stellungnahme als vernünftig. Wulff versuche nicht länger, Haarspaltereien zu betreiben und sich herauszureden: "Es war eine richtige Reaktion. Wir haben es nicht mit einem Staatsvergehen zu tun, das eine Rücktrittsdiskussion rechtfertigt."

Die SPD im niedersächsischen Landtag, dem Wulff die ganze Wahrheit über die Beziehung zu den Geerkens' vorenthalten hatte, verlangte Aufklärung über die Urlaubsreisen des Ex-Ministerpräsidenten in den Jahren 2003 bis 2010. Sie will wissen, wie oft Wulff in dieser Zeit mit seiner Familie etwa nach Mallorca oder Florida gereist ist, wo das befreundete Ehepaar Feriendomizile besitzt. Der Mainzer Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) erklärte seine Verwunderung über das Verhalten Wulffs bei der Annahme des Privatkredits: Er, Beck, wäre als Regierungschef nicht in den kühnsten aller Träume darauf gekommen, sich einen Kredit von einem privaten Unternehmer geben zu lassen.

(RP)