Persönlich: Wolfgang Büchner ... wird neuer "Spiegel"-Chef

Persönlich : Wolfgang Büchner ... wird neuer "Spiegel"-Chef

Um eine Redakteursstelle beim Nachrichtenmagazin "Spiegel" kann man sich nicht bewerben, dazu wird man berufen. Mit diesem Mythos umgab sich einst das Hamburger Magazin recht gerne, um seine Einzigartigkeit in der deutschen Medienlandschaft zu unterstreichen. Bei Wolfgang Büchner, dem bisherigen Chefredakteur der Nachrichtenagentur dpa, ist das nun wieder passiert, aber aus einem ganz anderen Grund. Der "Spiegel", in jüngster Zeit mit großen Enthüllungsgeschichten eher schwach vertreten, kämpft mit der Auflage und dem Renommee. Deutschlands größtes Nachrichtenmagazin suchte einen Retter und glaubt nun, mit Büchner einen gefunden zu haben. Der 46-jährige Vollblutjournalist soll sowohl die Print- wie die Online-Redaktion als Chefredakteur führen und die bisherige Doppelspitze aus Georg Mascolo (Print) und Mathias Müller von Blumencron (Online) ablösen.

Büchner, der seine journalistische Karriere nach einem Politik-Studium bei der Nachrichtenagentur AP begann, bringt alle Voraussetzungen für den Posten mit. Schon 2001 stieg er bei "Spiegel Online" ein und war von 2008 bis 2009 dessen Chefredakteur, ehe er zu der in die Jahre gekommenen dpa wechselte. In beiden Medien war er höchst erfolgreich. Die Online-Redaktion des "Spiegel" machte er zum nachrichtlichen Leitmedium der Branche, das Schlachtschiff dpa verwandelte er in eine wendige Schnellboot-Flotte. Insbesondere verstand er es, die Eigenarten der Kanäle Internet und Print glänzend auszuspielen und in messbare Erfolge umzumünzen.

Der gebürtige Speyrer hat nun vom drittwichtigsten Posten der deutschen Medienlandschaft auf den derzeit zweitwichtigsten gewechselt. Er hat das Ziel, den "Spiegel" wieder zur Nummer eins zu machen – vor "Bild", "Frankfurter Allgemeinen" und der ARD. Und er könnte einer der ersten sein, der erfolgreich Internet und Print verbindet.

(RP)
Mehr von RP ONLINE