Wladimir Putin reist nicht nach Auschwitz

Persönlich : Wladimir Putin . . . reist nicht nach Auschwitz

Eigentlich müsste das Datum des 27. Januar in Wladimir Putins Terminkalender ganz dick angestrichen sein. Aber da steht nichts, jedenfalls keine Reise nach Polen, wie gestern der Sprecher des russischen Präsidenten erklärte. Putin wird also nicht an den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch sowjetische Soldaten teilnehmen. Vor zehn Jahren war Putin noch als Ehrengast gekommen. Aber das war vor der Ukraine-Krise, die die Beziehungen zum Nachbarland Polen nachhaltig vergiftet hat.

Putin habe keine persönliche Einladung erhalten, heißt es aus Moskau. Also komme er auch nicht - obwohl er Gedenkveranstaltungen zum Zweiten Weltkrieg "außerordentliche Bedeutung" beimesse. Weil das allgemein bekannt ist, hatte man Putin noch im Sommer 2014 zur Gedenkveranstaltung an die alliierte Landung in der Normandie eingeladen. Eine Geste, sicherlich auch in der vagen Hoffnung darauf, den Kremlchef zu einer Änderung seiner Politik bewegen zu können. Die Hoffnung wurde enttäuscht: Putin schüttelte zwar artig alle Hände, aber Zugeständnisse machte er keine.

Heute ist Putin ein Paria, dem im Westen niemand mehr eine politische Bühne bieten will. Zwar sind die Kämpfe in der Ost-Ukraine zuletzt abgeflaut. Aber Russland unterstützt die prorussischen Separatisten weiter mit Ausbildung und Material. Ein für morgen geplantes Gipfeltreffen zur Suche nach Lösungsmöglichkeiten für die Krise ist wegen der tiefen Meinungsverschiedenheiten abgesagt worden.

Nach außen gibt sich Russlands starker Mann weiter stark, im Vertrauen auf die ungeheure Popularität im Volk, die er seit der Annexion der Krim genießt. Aber sein zusehends isoliertes Land steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, die über kurz oder lang die Pfründen von Russlands Oligarchen bedroht. Sie haben Putin seit Jahren gestützt. Doch das könnte sich ändern.

(RP)
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