Wie man das Trauma bewältigen kann

Wie man das Trauma bewältigen kann

Während Notärzte und Sanitäter um das Lebend er Schwerverletzten kämpften, kümmerte sich beim Katastropheneinsatz in Duisburg ein Großaufgebot an Notfallseelsorgern und psychologisch geschulter Feuerwehrleute um scheinbar unverletzte Augenzeugen. "Wer Menschen sterben sieht, kann das nicht einfach vergessen", weiß Olaf Schaper, evangelischer Notfallseelsorger aus Düsseldorf. Wichtig ist dann, die so genannten Stress-Spitzen zu mindern, die Betroffenen in einen geschützten Raum zu bringen und vor allem: Sie nicht auf das Geschehen ansprechen. Das rät Schaper auch Angehörigen traumatisierter Loveparade-Besucher.

Die Folgen des Erlebten können noch Wochen nach der Katastrophe auftreten: Depressionen, Angst vor Menschenansammlungen. Auch laute Musik kann plötzlich das Geschehen wieder mit aller Macht auf den Betroffenen wirken lassen. Nicht alle Traumatisierten reagieren gleich: Manche werden plötzlich unnatürlich ruhig, sprechen kaum noch. Sie sollte man nicht dazu zwingen, über das Erlebte zu reden, sagen die Experten. "Man sollte sie aber auch nicht aus den Augen lassen", so Schaper. Schlaflosigkeit, Alpträume, kalte Schweißausbrüche sind Alarmsignale, bei denen professionelle Hilfe nötig wird.

Die können auch Patienten entwickeln, die nicht aufhören können, über das Erlebte zu reden. Hier ist verständnisvolles Zuhören wichtig. Wer das nicht erträgt – was durchaus verständlich ist, betont Schaper betont – der sollte ebenfalls Hilfe, etwa in einer Trauma-Ambulanz, suchen.

Nicht nur Augenzeugen können Traumata entwickeln – ähnliche Symptome sind auch bei Loveparade-Besuchern möglich, die mit dem Geschehen nichts zu tun hatten, aber nun realisieren, dass sie mit dem Schrecken davon gekommen sind. Sie alle brauchen behutsames Entgegenkommen und viel Verständnis. Ungeduld oder gar Vorwürfe" sind fehl am Platz, sagt Schaper. Schließlich sei das ungewöhnliche Verhalten der Betroffenen eine "natürliche Reaktion auf ein unnatürliches Ereignis".

Trauma-Ambulanzen lassen sich u.a. über www.gesundheit.nrw.de finden