Mit Verlaub!: Wie der Amtseid zur Floskel wird

Mit Verlaub! : Wie der Amtseid zur Floskel wird

Denkwürdiges vom früheren "Spiegel"-Chefredakteur Aust zum Amtseid der Kanzlerin.

Die Passagen, die ich gleich zitiere, stammen nicht von einem "Rechtspopulisten", wie die modische Vokabel des linksromantischen Milieus gegen die praktische politische Vernunft der leisen bürgerlichen Mehrheit lautet. Die Passagen verfasste der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur und jetzige "Welt"-Herausgeber Stefan Aust. An Aust, der ein Linker war und immer noch das Gegenteil eines Rechten ist, lässt sich studieren, was der Kernsatz der abendländischen Aufklärung bedeutet: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

Aust schrieb in der "Welt am Sonntag" über die politische Verantwortung der Bundeskanzlerin Angela Merkel für deren Hereinspaziert-Haltung: "Das humanitär verbrämte Nichtstun der Kanzlerin, spätestens seit 2015, geschmückt mit einem freundlichen Gesicht und der optimistischen Phrase "Wir schaffen das!" war und ist nichts anderes als ein politischer Offenbarungseid." Aust weiter: "Die systematische Überforderung sämtlicher Behörden von Polizei und Justiz, die Schlamperei und Inkompetenz kosten nicht nur Geld, sondern auch Menschenleben und lebenslange Verletzungen im inzwischen drei- bis vierstelligen Bereich."

Es folgt der Schlussgong, der sich aus dem zuvor Geschriebenen logisch ergibt: "Das Ergebnis eines BAMF-Untersuchungsausschusses, wenn er denn nicht von den Realitätsverleugnern im Parlament verhindert wird, dürfte die bittere Erkenntnis sein, dass der Amtseid der Bundeskanzlerin, Schaden vom Deutschen Volk abzuwenden, im Rausch der grenzenlosen Barmherzigkeit zur bloßen Floskel verkommen ist."

Es wird viel über den "Niedergang des Westens" geunkt. Der droht auch, wenn die Methode Merkel verfängt, wenn westliche Regierungschefs die einst üblichen Konsequenzen aus ihrer politischen Verantwortung für angerichteten Schaden partout nicht ziehen mögen?

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(RP)
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