1. Politik

Westdeutsche Rentner schneiden schlechter ab

Rentensysteme in Ost und West : Westdeutsche Rentner schneiden schlechter ab

Die niedrigeren Rentenwerte im Osten seien ungerecht, sagt die Linkspartei. Die Rentenversicherung sieht das anders.

Der Präsident der deutschen Rentenversicherung, Axel Reimann, hat eine Angleichung der Rentensysteme in Ost und West angemahnt. Man müsse sich nun über den Weg der Angleichung verständigen. Reimann verwies darauf, dass es Sache der Politik sei, die Ziele festzulegen und die Frage der Kosten zu klären.

Die Debatte um die Angleichung der Renten 25 Jahre nach dem Fall der Mauer wird in Ost wie West emotional geführt. Die Menschen in beiden Teilen Deutschlands sehen sich im Nachteil. Insbesondere die Linkspartei verweist immer wieder lautstark darauf, dass die niedrigeren Rentenwerte im Osten ungerecht seien. Das Gegenteil ist richtig, wie die Rentenversicherung am Rechenbeispiel eines Durchschnittsverdieners nachweist: Wenn zwei Arbeitnehmer in Ost und West in diesem Jahr jeweils 34 857 Euro verdienen, erwirbt der Westdeutsche damit eine Rentenanwartschaft von 28,61 Euro für seine spätere monatliche Rente. Wegen der Ausgleichsmechanismen in der Rentenversicherung wird der Lohn des Ostdeutschen höher gewertet, und er erwirbt eine Anwartschaft von 31,33 Euro. Bei gleichem Lohn haben Ostdeutsche demnach einen um zehn Prozent höheren Rentenanspruch.

Die Höhe der individuellen Rente berechnet sich dabei wie folgt: Ein Arbeitnehmer sammelt im Laufe seines Arbeitslebens Entgeltpunkte. Wer ein Jahr lang versicherungspflichtig für einen Durchschnittsverdienst gearbeitet hat, erhält einen Entgeltpunkt. Im Rentenalter wird die Zahl dieser Punkte mit dem sich jährlich ändernden Rentenwert multipliziert. Im Westen liegt der Wert aktuell bei 28,61 Euro, im Osten sind es 26,39 Euro. Allerdings erhalten die Arbeitnehmer in Ostdeutschland einen Entgeltpunkt, weil ihr Einkommen wegen des noch bestehenden Lohngefälles in Ost und West höher gewertet wird.

Als die Rentensysteme Anfang der 90er Jahre zusammengelegt wurden, hat man mit einer Reihe von Sonderregelungen dafür gesorgt, dass die Renten im Osten immerhin auf rund 62 Prozent des Westniveaus lagen. Sie sollten sich im Laufe der Jahre mit steigenden Löhnen angleichen. Heute liegt der Wert der Ost-Renten bei 92 Prozent der West-Renten, die Löhne erreichen aber weiterhin nur 84 Prozent des Westniveaus. Der Transfer vom westdeutschen ins ostdeutsche Rentensystem wird in diesem Jahr laut Rentenversicherung voraussichtlich 16 Milliarden Euro betragen.

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Politiker sind wegen der komplexen Struktur bislang immer wieder an dem Vorhaben gescheitert, die Rentensysteme anzugleichen. Allein den Ost-Wert auf West-Niveau zu heben, wie es die Linkspartei fordert, würde rund 4,3 Milliarden Euro kosten.

(qua)