Rom: Was Ruby über Berlusconi sagte

Rom : Was Ruby über Berlusconi sagte

Die marokkanische Nachtclub-Tänzerin Karima el Marough alias Ruby wirft dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi (74) vor, er habe bereits früher von ihrer Minderjährigkeit gewusst, als er zugibt. Ruby soll Berlusconis Gespielin gewesen und bei Sex-Partys in seinen privaten Villen aufgetreten sein. Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" zitierte gestern aus Protokollen der Befragung Rubys durch die Mailänder Staatsanwaltschaft.

Berlusconi ist wegen seiner Beziehung zu Ruby der Prostitution Minderjähriger angeklagt – er soll für Sex mit der jungen Frau bezahlt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm außerdem vor, er habe versucht, die Affäre zu vertuschen, und wertet das als Amtsmissbrauch. Am 6. April soll der Prozess gegen den Regierungschef beginnen.

Sie habe Berlusconi zunächst gesagt, sei sei 24 Jahre alt und Ägypterin, wird Ruby in den Protokollen zitiert: "Als Silvio mir aber vorschlug, eine Wohnung auf meinen Namen zu überschreiben, musste ich ihm sagen, wie die Dinge stehen. Ich habe ihm gesagt, dass ich minderjährig bin und keine Papiere habe." Damals habe Berlusconi ihr "zum Spaß" vorgeschlagen, sie solle erzählen, sie sei die Enkelin des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, um so die Geldzuwendungen seitens des italienischen Regierungschefs zu rechtfertigen.

Berlusconi habe als Reaktion auf die Enthüllung gesagt: "Mach dir keine Sorgen um die Papiere, darum kümmere ich mich." Unklar sei allerdings, heißt es, ob Berlusconi versprochen habe, Ruby ägyptische – also falsche – Papiere zu beschaffen oder richtige, also einen marokkanischen Pass und eine Aufenthaltsgenehmigung für Italien.

Noch früher als Berlusconi hat demnach Nicole Minetti von Rubys Minderjährigkeit gewusst. Minetti, Abgeordnete des lombardischen Regionalparlaments, soll als Kupplerin Berlusconi Partnerinnen zugeführt haben. Ruby wird mit den Worten zitiert, schon als sie Anfang 2010 zum ersten Mal Berlusconis Villa in Arcore bei Mailand betrat, habe Minetti Bescheid gewusst.

In den Befragungen schildert die junge Frau auch die Sex-Partys in Berlusconis Villa. Rubys Beschreibungen ließen "keinen Raum für Fantasie", schreibt die "Repubblica"; sie seien "konkret bis zur Pornografie" und beschrieben "ein hemmungsloses Gelage".

Gegenüber der Nachrichtenagentur AP klagte Ruby gestern, sie sei von den Medien wie eine Prostitutierte behandelt worden. Sie habe sich aber nichts vorzuwerfen.

(RP)
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