Kolumne Politisch Inkorrekt: Warum Heilige gut für uns alle sind

Kolumne Politisch Inkorrekt: Warum Heilige gut für uns alle sind

Alles ist wie immer. Kirchenfeindliche Medien sprechen von "großer Show" und setzen die (von ihnen) erwarteten Pilgerzahlen so hoch an (fünf Millionen), dass es auf jeden Fall weniger sein werden und sie anschließend beklagen können, es seien nicht so viele gekommen wie (von ihnen) erwartet. Kirchenkritiker kritisieren, Johannes Paul II. habe das Opus Dei gefördert und sei - ganz schlimm! - sogar konservativ gewesen. Von evangelischer Seite hört man, es sei anmaßend, wenn eine Institution sich erdreiste, Menschen zu Heiligen zu erklären.

Und doch lohnt es sich zu reflektieren, was mit Heiligsprechung gemeint ist. Es handelt sich keineswegs um einen respektlosen Vorgriff auf das letztendliche Urteil Gottes. Die katholische Kirche stellt mit einer Heiligsprechung Personen als Vorbilder für die Gläubigen heraus, die im christlichen Sinne Herausragendes geleistet oder ein ungewöhnlich gottgefälliges Leben geführt haben. Heilig werden kann jeder Mensch. So wie das Bauernmädchen Maria Goretti, die als Elfjährige vergewaltigt und mit 14 Messerstichen schwer verletzt wurde. Kurz vor ihrem Tod am Tag darauf vergab sie dem Täter, der sich nach seiner Haft bekehrte und Mönch wurde. Oder die deutsche Ordensfrau Edith Stein, die 1942 im KZ Auschwitz ermordet wurde und von der der wunderbare Satz stammt: "Je dunkler es hier um uns wird, desto mehr müssen wir unser Herz öffnen für das Licht von oben."

Nun also zwei Päpste: Johannes XXIII., 1958 im hohen Alter als "Übergangspapst" gewählt, berief zum Entsetzen der Kurie ein Konzil ein, das zu einer spürbaren Modernisierung seiner Weltkirche führte. Traditionalisten wie die abgespaltene Pius-Bruderschaft protestieren deshalb gegen seine Heiligsprechung. Und dann Johannes Paul II., der bei den revolutionären Veränderungen in Osteuropa eine bedeutende Rolle spielte und der mit seinem Charisma besonders junge Menschen für die "Kultur des Lebens" als Gegenpart zu Krieg, Todesstrafe und Abtreibung begeisterte. Gegen seine Heiligsprechung protestieren nun linkskatholische Grüppchen.

Heilige sind nichts anderes als Vorbilder. Und Vorbilder sind es, an denen es unserer Gesellschaft mangelt. Man muss Päpste nicht als Vorbild ansehen. Heilige und Märtyrer finden sich auch anderswo, denken Sie nur an den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer. Und Vorbilder finden sich auch bei Nichtgläubigen. Menschen, die anderen in Not helfen, die sich aufopfern für eine gute Sache. Es ist wunderbar, solche Vorbilder zu haben.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(RP)
Mehr von RP ONLINE