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Wahlkampf im Chaos

Wahlkampf im Chaos

Während der Tropensturm an der US-amerikanischen Ostküste wütet, scheint das Duell zwischen Obama und Romney zweitrangig. Doch ihr Verhalten wird den Wahlausgang mitbestimmen.

Washington Es ist die Angst vor dem Split Screen, dem zweigeteilten Fernsehschirm. Links der Kandidat, wie er auf seinen Rivalen schimpft, ihn auf eine Karikatur reduziert, entweder zum Sozialisten oder zum Kahlschlagkapitalisten. Rechts die Szenen eines Desasters: überflutete Straßen, leere U-Bahnhöfe, geknickte Strommasten, ein historischer Blackout, der Millionen abends im Dunkeln sitzen lässt.

Die Bilderkombination – hier Naturkatastrophe, dort politischer Normalbetrieb – wäre verheerend. Kein Wunder, dass sowohl Barack Obama als auch Mitt Romney im Zuge des Tropensturms "Sandy" klingen, als interessiere sie das Duell ums Oval Office nur noch am Rande. "Die Wahl wird sich schon um sich selbst kümmern. Unsere Priorität ist es, Leben zu retten", sagte der Präsident, sichtlich bemüht um die Fassade stoischer Ruhe.

Beim Besuch der Zentrale des Roten Kreuzes bezeichnete er die Folgen des Sturms als "herzzerreißend". Seine "wichtigste Mitteilung" an die Opfer sei, "dass Amerika an Eurer Seite steht". Die Koordination zwischen den nationalen Rettungsbehörden, den Staaten und den lokalen Politikern nannte er "herausragend".

Es dauerte nicht lange, da gab das Weiße Haus Aufnahmen aus dem Situation Room frei, dem bunkerähnlichen Lageraum der Machtzentrale, in dem der Staatschef seine engsten Vertrauten versammelt, wenn Heikles zu bereden ist. Das letzte Mal, dass markante Fotos aus dem Situation Room zirkulierten, war im Mai 2011 gewesen. Damals verfolgte eine kleine Runde mit angehaltenem Atem, wie ein Trupp Navy Seals das Anwesen Osama bin Ladens in Pakistan stürmte. Diesmal kehrt der Oberbefehlshaber den nervenstarken Krisenmanager heraus.

Kaum überraschend will der Herausforderer dem Amtsinhaber das Feld nicht allein überlassen. "Dies ist eine Stunde, in der wir zusammenkommen müssen", erklärt Romney. "Und sicherstellen, dass Menschen die Hilfe bekommen, die sie brauchen." Prompt begann der Republikaner Spenden für Sturmopfer zu sammeln, nicht zufällig in Ohio, dem Bundesstaat, der am 6. November den Ausgang des Rennens entscheiden kann.

Offiziell ziehen es die Spitzenleute vor, die Attacken auf den anderen einzustellen. Dennoch stimmt sie nicht, die schnelle Schlagzeile vom Wahlkampf auf Eis. An Obamas Stelle rühren der streitlustige Vizepräsident Joe Biden und der brillant erklärende Elder Statesman" Bill Clinton die Werbetrommel. Romney lässt sich durch Paul Ryan, seinen zum Sparkurs entschlossenen Teamgefährten, vertreten.

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Wetterkapriolen können US-Präsidenten arg ins Schleudern bringen, dort liegt das Risiko für Obama. George W. Bush bekam es 2005 zu spüren, als der Hurrikan "Katrina" in New Orleans die Dämme brechen ließ und er völlig überfordert wirkte, phasenweise wie ein weltfremder Schönfärber. Das Kapitel trug maßgeblich bei zum Eindruck burschikoser Inkompetenz, der zu einem rapiden Ansehensverlust führte.

Obama will heute nach New Jersey reisen, um sich gemeinsam mit dem dortigen Gouverneur, Chris Christie, ein Bild von der Lage zu machen. Christie, ein entschiedener Romney-Unterstützer, hatte zuvor Obamas Reaktion auf die Katastrophe ausdrücklich gelobt.

Aktuell stellt das Online-Magazin "Huffington Post" heraus, dass Romney die Katastrophenbehörde Fema dichtmachen wolle. Tatsächlich hat er vor 16 Monaten laut darüber nachgedacht, aber die Idee verworfen. Auf der Rechten notiert der "Drudge Report" voller Häme, Obama habe sich die teuerste Pizzalieferung der Geschichte geleistet. Der Präsident war nach Florida geflogen und hatte Wahlhelfern Pizza spendiert. Am nächsten Morgen eilte er zurück nach Washington, ohne eine Bühne betreten zu haben – für Kritiker Grund zur Schadenfreude.

(RP)