Düsseldorf: Vor 20 Jahren: Mord an Rohwedder

Düsseldorf: Vor 20 Jahren: Mord an Rohwedder

Düsseldorf-Oberkassel, 1. April 1991: Der Schuss aus 63 Meter Entfernung war präzise und tödlich. Er traf vor 20 Jahren – Ostermontag, 23.30 Uhr – Detlev Karsten Rohwedder in den Rücken und zerfetzte seine Hauptschlagader. Das 58 Jahre alte Opfer war als Chef der Berliner Treuhandanstalt seit Juli 1990 hauptverantwortlich für Verkauf und Sanierung von 8000 maroden Staatsbetrieben der DDR.

Wer der oder die Täter war(en), weiß bis heute niemand mit Gewissheit. Die Bundesanwaltschaft kennt allein den Namen eines mutmaßlichen Attentäters: Wolfgang Grams. Der war Terrorist der Rote-Armee-Fraktion (RAF) und starb 1993 bei einem Feuergefecht mit der Polizei in Bad Kleinen (Mecklenburg-Vorpommern).

Heute findet in Berlin zur Erinnerung an die Arbeit der seinerzeit nicht unumstrittenen Treuhandanstalt und ihres schon zu Lebzeiten als Mensch und Manager tadellos beleumundeten ersten Chefs Detlev Karsten Rohwedder eine Gedenkveranstaltung statt. Bevor Rohwedder den seinerzeit schwierigsten Job in der deutschen Wirtschaft übernahm, war er erfolgreicher Hoesch-Chef und davor von 1969 bis 1978 Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Rohwedder wurde durch ein nicht mit Panzerglas versehenes Fenster im ersten Stockwerk seines Hauses getroffen. Ein weiterer Schuss zertrümmerte den Armknochen von Rohwedders Ehefrau Hergard. Ein drittes Projektil blieb im Bücherregal stecken.

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Der Topmanager galt in Sicherheitskreisen als höchst gefährdet, weil die Treuhand unter plötzlich zu Tausenden arbeitslos gewordenen Ostdeutschen und bei DDR-Profiteuren verhasst war. Eine verbreitete Spekulation, Rohwedder sei von einem Berufskiller der Stasi und nicht von der RAF getötet worden, konnte die gravierenden Indizien für eine RAF-Tat nicht entkräften: Erstens fand die Polizei am Tatort, einem unübersichtlichen Gebüsch-Areal gegenüber dem Haus des Opfers, ein RAF-typisches Selbstbezichtigungs-Schreiben, das den kriminaltechnischen Echtheitstest bestand. Zweitens gelang es 2001 mit Hilfe neuer Labortechnik, ein Haar, das an einem am Tatort zusammen mit einem Stuhl nebst Fernrohr zurückgelassenen Handtuch haftete, dem 1993 obduzierten Grams zuzuordnen. Drittens erlauben die "Verfeuerungsspuren" an den zurückgebliebenen drei Patronenhülsen Rückschlüsse darauf, dass ein Gewehr benutzt wurde, das die RAF schon beim Anschlag auf die Bonner US-Botschaft sechs Wochen vor dem Düsseldorfer Mord benutzt hatte.

Die Ermittler gingen bislang knapp 1000 Hinweisen nach. Nur ermitteln sie gegen Unbekannt.

(RP)
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