Lokführer: Ein harter Traumberuf: Viele Überstunden und nur mäßiges Gehalt

Lokführer: Ein harter Traumberuf : Viele Überstunden und nur mäßiges Gehalt

Frankfurt/Main (AP). Der Traumberuf kleiner Jungen ist ein ziemlich harter Job: Lokführer müssen oft früh aufstehen, nicht selten zehn, elf Stunden arbeiten und auch am Ende des Tages noch topfit sein. Das Einstiegsgehalt ist mit 3.500 Mark im Westen und 3.000 Mark im Osten eher mäßig, und seit dem Personalabbau des Unternehmens nimmt die Arbeitsbelastung zu. Doch für die Sicherheit sieht Bahnchef Hartmut Mehdorn auch nach dem schweren Unglück von Brühl kein Problem.

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p class="text">Als der D 203 Amsterdam - Basel in der Nacht zu Sonntag entgleist und mindestens acht Menschen sterben, ist auch der Lokführer Reinhard Teufel auf den Beinen. Eine halbe Stunde nach Mitternacht besteigt er seine Lok und bringt einen Zug nach Leipzig. Fünf Stunden dauert das, dann pausiert er zweieinviertel Stunden in einem Aufenthaltsraum des Leipziger Bahnhofs, anschließend geht es wieder knapp vier Stunden zurück. "Das sind elf Stunden. Danach weiß man, was man getan hat", sagt der 49-Jährige. Am folgenden Tag, dem heutigen Montag, beginnt die Arbeit ebenfalls mitten in der Nacht, um 04.30 Uhr, und geht erst nach knapp zehn Stunden zu Ende. Drei bis vier Tage geht es so am Stück, danach gibt es einen oder zwei Tage frei.

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p class="text">Die Lokführer sammeln Überstunde um Überstunde an. Doch weil in ihrem Beruf Personalmangel herrscht, kommen sie kaum dazu, die Mehrarbeit abzubummeln. Nach Angaben der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GdL) schieben sie deshalb durchschnittlich rund zehn Tage vor sich her. Nach GdL-Berechnungen müsste die Bahn AG 995 neue Leute einstellen, um den Beschäftigten die Überstunden in Freizeit ausgleichen zu können. Stattdessen versuche die Unternehmensführung zunehmend, den Mitarbeitern ihre Ansprüche finanziell zu vergüten, klagt die Gewerkschaft.

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p class="text">Kein Wunder, würde doch die Einstellung neuer Kräfte den Plänen der Bahn völlig zuwider laufen. Denn die sehen vor, das defizitäre Unternehmen unter anderem mit einem radikalen Personalabbau "kapitalmarktfähig" zu machen. In den letzten vier Jahren wurden deshalb nach Gewerkschaftsangaben bereits 120.000 Arbeitsplätze gestrichen, darunter seit 1994 die Planstellen von 10.000 Lokführern.

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p class="text">Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED), Norbert Hansen, konstatiert denn auch, "dass die Anzahl der Züge und Betriebsleistungen sich nicht veringert" und deshalb "eine Arbeitsverdichtung bei den Mitarbeitern stattgefunden hat". GdL-Chef Manfred Schell beklagt, dass die früher im ersten halben Jahr übliche Begleitung junger Lokführer durch erfahrene Kollegen inzwischen abgeschafft wurde. Von einer Gefährdung der Sicherheit mag aber keine der am Erfolg der Bahn interessierten Eisenbahner-Gewerkschaften sprechen. Vielmehr weisen sie darauf hin, dass es strenge Arbeitszeitvorschriften gibt, deren Einhaltung von den Betriebsräten genauestens kontrolliert werde.

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p class="text">Stopp von Klimmt gefordert

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p class="text">Demnach darf ein Lokführer maximal fünf Stunden am Stück unterwegs sein. Insgesamt kann sein Arbeitstag allerdings bis zu zwölf Stunden dauern, wenn er zwischendurch eine mindestens zweistündige Pause hat.

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p class="text">Das ist lang, aber auch nur für Ausnahmefälle vorgesehen. Die Regelung könnte in Zukunft aber häufiger angewandt werden, dann nämlich, wenn die Bahn ihre weiter gehenden Pläne zum Personalabbau verwirklicht. Bis 2004 will sie nach Gewerkschaftsangaben noch einmal 3,6 Milliarden Mark Personalkosten einsparen. Das würde den Wegfall von insgesamt weiteren 70.000 Jobs bedeuten. Für die Lokführer läge der Anteil bei 6.800 zu streichenden Stellen. Von den einstmals 34.000 Lokführern blieben damit noch 17.200 übrig.

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p class="text">Der Fahrgastverband Pro Bahn warnt deshalb davor, am Personal - "der wichtigste Sicherheitsfaktor bei der Bahn" - weiter zu sparen. Verbandssprecher Frank von Meißner fordert Verkehrsminister Reinhard Klimmt daher auf, sich einzuschalten und die Rationalisierungspläne des noch bundeseigenen Unternehmens zu stoppen.

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p class="text">Die Gewerkschaften warnen zwar ebenfalls massiv vor dem Personalabbau, wollen dies aber nicht direkt mit Sicherheitsbedenken begründen. Immerhin wäre der Personalabbau nach Einschätzung von GdED-Chef Norbert Hansen aber "problematisch für die Betriebsdurchführung".

Bahnchef Hartmut Mehdorn weist die Vorwürfe jedoch zurück. Hunderte Millionenbeträge würden in die Sicherheit investiert, sagt er. "Es geht keiner schlecht ausgebildet oder übermüdet auf eine Lokomotive, darauf können Sie sich verlassen". Da bei der Bahn aber "Menschen für Menschen" arbeiteten, könne auch menschliches Versagen nicht ausgeschlossen werden.

(RPO Archiv)
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