Wiesbaden: Viele Tariflöhne unter 6,50 Euro pro Stunde

Wiesbaden : Viele Tariflöhne unter 6,50 Euro pro Stunde

Trotz eines Tarifvertrages wird in einigen Branchen in Deutschland ein Stundenlohn von weniger als 6,50 Euro gezahlt. Vor allem gering qualifizierte Beschäftigte in Gartenbau und Landwirtschaft sowie in Handwerks- und Dienstleistungsbranchen kämen auf niedrige Tarifverdienste, teilte das Statistische Bundesamt nach der Auswertung von 600 Flächentarifverträgen mit.

Im Ernährungsgewerbe beginne der Tarifverdienst im Konditorenhandwerk in Bayern bei 5,26 Euro und im Fleischerhandwerk in Sachsen bei sechs Euro, ermittelten die Statistiker. Verbreitet seien niedrige Anfangsvergütungen auch im Hotel- und Gastgewerbe: Die geringste Vergütung für Tarifbeschäftigte betrage in Brandenburg 6,29 Euro, in Thüringen 6,50 Euro und in Nordrhein-Westfalen 6,74 Euro. In NRW gehören zu den Niedrigtarifen auch die Schuhindustrie mit einem Stundenverdienst von 6,58 Euro und das Friseurhandwerk mit 7,73 Euro.

Dienstleistungsbranchen mit tariflichen Stundenverdiensten von deutlich unter acht Euro je Stunde sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beispielsweise die Textilreinigung (neue Länder: 6,73 Euro), die Zeitarbeit (neue Länder: 7,01 Euro) und der Einzelhandel (Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen: 7,23 Euro).

"Gewerkschafter stehen in solchen Branchen bei Tarifverhandlungen immer wieder vor der Alternative, niedrigen Tarifen zuzustimmen oder ganz auf eine tarifliche Regulierung der Arbeitsbedingungen zu verzichten", erklärte der Leiter des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Reinhard Bispinck.

Derzeit gelten in Deutschland in zehn Branchen allgemeinverbindliche Mindestlöhne. Dabei liegt der Mindestlohn im früheren Bundesgebiet bei Wäschereidienstleistungen (7,80 Euro) und größtenteils im Wach- und Sicherheitsgewerbe (NRW: 7,95 Euro) bei weniger als acht Euro je Stunde, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die höchsten Mindestlöhne in den alten Ländern gelten im Bauhauptgewerbe (11,00 Euro) und bei Bergbauspezialarbeiten (11,53 Euro).

(RP)