Neueste Jahresstatistik: Verwaltungskosten der Krankenkassen auf Rekordniveau

Neueste Jahresstatistik : Verwaltungskosten der Krankenkassen auf Rekordniveau

Berlin (rpo). Die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen haben vergangenes Jahr mit 7,6 Milliarden Euro ein Rekordniveau erreicht. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte am Montag einen Bericht der Tageszeitung "Die Welt".

Danach lagen die Kosten 2001 um insgesamt 4,1 Prozent höher lagen als im Vorjahr. Für das laufende Jahr wird dem Blatt zufolge ein weiterer Anstieg erwartet.

Ministeriumssprecherin Annelies Ilona Klug sagte, die Kosten der Kassen seien definitiv zu hoch. Seit 1989 seien die Ausgaben allein in Westdeutschland um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die Verwaltung müsse dringend effizienter werden. Deshalb habe es unmittelbar nach der Bundestagswahl ein Gespräch mit Vertretern der Krankenkassen gegeben. Konkrete Ergebnisse lägen noch nicht vor. "Im Moment läuft die Entscheidungsfindung", sagte die Sprecherin von Ministerin Ulla Schmidt (SPD). Nicht bestätigen konnte sie Informationen der "Welt", wonach die Verwaltungsausgaben im ersten Halbjahr 2002 nochmals um weitere vier Prozent gestiegen sein sollen.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, appellierte an die Krankenkassen, ihre Verwaltungskosten zu senken. "Die Krankenversicherung gehört zu den starken Treibsätzen der Lohnzusatzkosten", sagte er derselben Zeitung.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass das Defizit der gesetzlichen Kassen nach Meinung von Experten bis Jahresende über 2,5 Milliarden Euro betragen könnte. Schmidt hat offiziell ein Defizit von 1,5 Milliarden Euro prognostiziert und dafür vor allem die gestiegenen Ausgaben bei den Arzneimitteln verantwortlich gemacht. Einzelne Krankenkassen haben bereits weitere Beitragserhöhungen für 2003 angekündigt.

Der Sozialexperte der Union, Horst Seehofer, erwartet, dass der durchschnittliche Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherungen bereits zum Jahreswechsel um 0,3 Prozentpunkte steigt. Ministerin Schmidt werde das erste Mitglied im neuen Kabinett sein, dass entlassen werde, sagte der CSU-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Denn die von ihr geplanten Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro reichten nicht aus, um die Beiträge stabil zu halten.

Weil die Pharmabranche sinkende Handelsspannen durch Preiserhöhungen jederzeit wettmachen könne, müsste die Bundesregierung zusätzlich einen höchst fragwürdigen Preisstopp verordnen. Dies sei aber kaum durchsetzbar und noch schwieriger zu kontrollieren, sagte Seehofer. Die Koalitionsvereinbarung zur Gesundheitspolitik werde dazu führen, dass es 2005/2006 nur noch eine medizinische Minimalversorgung trotz Beitragssätzen von 15 bis 16 Prozent geben werde.

Rentenversicherungs-Reserve wird offenbar unterschritten

Unterdessen berichtete das "Handelsblatt", dass Beitragssatz zur Rentenversicherung stärker steigen wird. Nach Informationen der Zeitung wird die eiserne Reserve der Rentenversicherung, die "Schwankungsreserve", um mindestens drei Milliarden Euro unterschritten. Weil Rentenversicherung und Krankenkassen im dritten Quartal noch mehr Geld fehlen werde als erwartet, schlössen Experten nicht aus, dass die Rentenbeiträge 2003 stärker steigen werden als die von der Koalition beschlossenen 0,2 Prozent auf dann 19,3 Prozent. Genaues wollen die Rentenversicherer laut "Handelsblatt" am Dienstag bekannt geben.

(RPO Archiv)
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