Neu-Delhi: USA und Indien streiten über "Nanny-Gate"

Neu-Delhi : USA und Indien streiten über "Nanny-Gate"

Die Festnahme einer indischen Diplomatin sorgt für Ärger. Es geht um den Lohn ihres Kindermädchens.

"Indien ist doch keine Bananenrepublik, mit der man so umspringen kann", empörte sich Unionsminister Kamal Nath, ein Urgestein der regierenden Kongresspartei, und drohte den USA mit Folgen, sollten sie sich nicht "bedingungslos entschuldigen". Die Verhaftung und angebliche intime Leibesvisitation einer indischen Diplomatin in den USA hat zu einem schweren Eklat zwischen beiden Staaten geführt.

"Nanny-Gate", wie die Affäre flugs getauft wurde, hat das Zeug, das Verhältnis nachhaltig zu stören. Seit Tagen überbieten sich indische Zeitungen mit wütenden Schlagzeilen. Im Mittelpunkt des Sturms steht die indische Vizegeneralkonsulin Devyani Khobragade, die im Konsulat in New York für Politik, Wirtschaft und Frauenfragen zuständig war. Die US-Behörden werfen der 39-Jährigen vor, ihr indisches Kindermädchen Sangeeta Richard unterbezahlt und falsche Gehaltsangaben im Visums-Antrag gemacht zu haben. So habe sie lediglich 3,31 Dollar pro Stunde gezahlt (umgerechnet 2,42 Euro), im Antrag aber 9,75 Dollar angegeben.

Nun ist es kein Einzelfall, dass Diplomaten ihr Personal mitbringen und dieses nach heimischen Sitten behandeln und bezahlen. Nicht selten verstoßen sie damit gegen Bestimmungen und Gesetze der Gastländer. Oft werden beide Augen zugedrückt, oder die Probleme werden lieber still und heimlich unter der Hand gelöst, solange es nicht zu eklatanten Missständen kommt.

Was die stolzen Inder aufbringt, ist der Umgang der Amerikaner mit der Affäre. Am Donnerstag vor einer Woche fing die Polizei die junge Mutter morgens vor der Schule ihrer Tochter ab und führte sie angeblich in Handschellen ab. Auf der Polizeiwache habe sie sich entblößen und einer intimen Leibesvisitation unterziehen müssen, klagte die Inderin anschließend. Nach Zahlung einer Kaution in Höhe von 250 000 US-Dollar wurde Khobragade wieder auf freien Fuß gesetzt.

Zwar hat US-Außenminister John Kerry inzwischen in einem Telefonat mit der indischen Regierung den Vorfall bedauert. Doch die lautstarke Empörung will nicht enden und weist auf tiefere Risse in der Beziehung hin: Während der frühere US-Präsident George W. Bush das Gandhi-Land noch heiß umwarb, lässt sein Nachfolger Barack Obama es eher links liegen.

Zwar ist unklar, inwieweit die Inderin als Vizegeneralkonsulin umfassende diplomatische Immunität genießt. Doch nach Ansicht Indiens verstößt das US-Vorgehen nicht nur gegen alle diplomatischen Gepflogenheiten, sondern erscheint auch in keinem Verhältnis zum angeblichen Delikt. Die Affäre schlug so hohe Wellen, dass Außenminister Salman Khurshid sogar seine politische Zukunft daran knüpfte und im Parlament schwor, er werde Khobragades "Ehre wiederherstellen" und sie zurückbringen – oder zurücktreten.

(RP)
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