Verbraucheranwalt ist Präsidentschaftskandidat: USA: Grüne nominieren Ralph Nader

Verbraucheranwalt ist Präsidentschaftskandidat: USA: Grüne nominieren Ralph Nader

Washington (dpa). Die Grünen der USA haben den Verbraucheranwalt Ralph Nader (Foto) als Präsidentschaftskandidaten für die Wahl am 7. November nominiert. Ein Parteitag in Denver (Bundesstaat Colorado) entschied sich am Sonntag erwartungsgemäß für den 66-Jährigen.

Nader tritt damit voraussichtlich gegen Vizepräsident Al Gore von den Demokraten und den texanischen Gouverneur George Bush von den Republikanern an. Nader rief die Bürger auf, es den "Großen zu zeigen". Die USA brauchten eine starke dritte Kraft neben den "zwei korrupten Parteien".

Rund vier Monate vor der Präsidentenwahl sind unterdessen der demokratische Bewerber Gore und sein republikanischer Gegenspieler Bush unter Druck geraten. Der US-Vizepräsident wehrte sich mit der Veröffentlichung des kompletten, 150 Seiten starken Wortlauts umstrittener Aussagen zu angeblichen Verstößen gegen das Parteispendengesetz. "Ich habe die Wahrheit gesagt", betonte er. Der Chef der Parteifinanzierungs-Abteilung im Justizministerium, Robert Conrad, hatte Ministerin Janet Reno die Einsetzung eines Sonderermittlers empfohlen.

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Bush steht im Mittelpunkt einer wachsenden Kontroverse über die Todesstrafe in den USA. Der wegen Raubmordes zum Tode verurteilte schwarze Amerikaner Gary Graham war ungeachtet internationaler Proteste am Donnerstagabend (Ortszeit) in Texas hingerichtet worden. Gouverneur Bush verteidigte die Exekution als gerecht. Graham war der 23. Verurteilte, der in Texas in diesem Jahr hingerichtet wurde, und der 135. in der fünfjährigen Amtszeit von Bush.

Nader unterstrich am Sonntag, dass er schon als junger Jurastudent gegen die Todesstrafe eingetreten sei. Die Grünen hoffen, mit ihrem Kandidaten fünf Prozent der Wählerstimmen zu gewinnen. Das bedeutete einen Durchbruch für die Partei, deren Erfolge sich in den USA bisher auf die lokale und regionale Ebene beschränken. Sie würden bei der nächsten Wahl öffentliche Wahlkampfzuschüsse erhalten. Der 66-Jährige hat einen legendären Ruf als Kritiker von Großunternehmen. Er begründete ihn schon 1965 durch die Aufdeckung von Missständen in der Autoindustrie.

(RPO Archiv)
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