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USA erleichtert über Irak-Abzug

USA erleichtert über Irak-Abzug

Der Abzug der Kampftruppen nach Kuwait wurde öffentlichkeitswirksam in die USA übertragen. Präsident Obama will sich an sein Versprechen halten, die letzten Truppen bis Ende 2011 nach Hause zu holen. Experten sind jedoch skeptisch.

Im Dunkeln rollt die letzte Patrouille über die Grenze. Sobald kuwaitischer Boden erreicht ist, springen die Soldaten aus der stickigen Hitze ihrer Fahrzeuge, zünden Zigaretten an, lassen erhobene Hände gegeneinander klatschen. Das "High Five", der Gruß amerikanischer Colleges, verrät etwas von der Erleichterung. Dann heißt es Aufstellen zum Gruppenfoto, in der Mitte ein Sternenbanner.

Ein ums andere Mal flimmern die Bilder aus Chabari über die Mattscheiben der Amerikaner. Von einem Meilenstein ist die Rede, die Generäle nennen es "The Last Patrol" – die letzte Patrouille. 440 Soldaten der 4. Infanteriebrigade, verteilt auf 68 gepanzerte Fahrzeuge, sollen die letzte Kampfeinheit sein, die dem Irak adé sagt. Nachts waren sie in Bagdad aufgebrochen und stundenlang durch die Wüste gefahren. Die Bilder zeigen Szenen eines geordneten Rückzugs. Keine Schüsse, keine Sprengsätze am Straßenrand, dafür Busse und Tanklastzüge auf der Gegenfahrbahn.

Für Präsident Barack Obama ist es der Beweis, dass er im Zeitplan liegt, sein Wort nicht bricht. Im Dezember 2011 soll kein einziger Soldat mehr im Irak stationiert sein, daran will er eisern festhalten. "Wir halten Versprechen, die wir gegeben haben", hatte er schon bei einem Auftritt in Ohio unterstrichen. "Unsere Kampfmission drüben im Irak wird vorüber sein." Der Präsident jubelt nicht, er gibt sich sachlich. Er bekommt noch genug negative Schlagzeilen aus Afghanistan, wo im Juli mehr Soldaten starben als in jedem Monat davor.

Hillary Clintons Außenministerium wiederum ließ Pläne durchsickern, nach denen es bis Oktober 2011 die Verantwortung für die Ausbildung der irakischen Polizei übernimmt. Noch ist das Pentagon dafür zuständig. Der angekündigte Wechsel soll die Marschrichtung des Kabinetts illustrieren: Während das Militär geht, übernehmen Zivilisten die Regie.

Bei alledem blieb die Verwirrung, ob die Infanteriebrigade tatsächlich die letzte Kampfeinheit war, die ihre Fahnen einholte. Nach Angaben von CNN sind noch 56 000 Soldaten im Irak stationiert, was bedeutet, dass weitere 6000 in den nächsten Tagen abziehen müssen, soll Obamas Frist eingehalten werden. Das Kontingent, das danach verbleibt, wird "beraten und unterstützen", wie es aus Washington heißt. Es soll die irakische Armee ausbilden, gemeinsam mit ihr Patrouillen fahren, die Iraker an Waffen schulen, die Amerika dem Ölland verkaufen möchte: Abrams-Panzer, F-16-Flugzeuge, moderne Artillerie. Außerdem bleiben 4500 Angehörige der Special Forces, spezialisiert auf Kommandoaktionen.

Ob das Konzept aufgeht, vermag heute noch niemand einzuschätzen. Was, wenn sich das aktuelle Machtvakuum zu einer Staatskrise ausweitet? Die letzte Parlamentswahl liegt mehr als fünf Monate zurück, bislang konnten sich irakische Politiker nicht auf die Bildung einer neuen Regierung einigen.

Ryan Crocker mahnt in der "New York Times" zur Geduld. "Unsere Zeitpläne eilen der irakischen Wirklichkeit ein wenig voraus", kritisiert der US-Amerikaner, der von 2007 bis 2009 US-Botschafter in Bagdad war. Amerikanisches Militär werde noch lange am Tigris bleiben, und sei es nur, um die Iraker in amerikanische Waffensysteme einzuweisen. Und falls sich Bagdad an Washington wende, mit der Bitte, auch über den Dezember 2011 hinaus Flagge zu zeigen, müsse Obamas Mannschaft flexibel sein.