Berlin: Uni entzieht Doktortitel – Guttenberg beliebter denn je

Berlin : Uni entzieht Doktortitel – Guttenberg beliebter denn je

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) darf seinen Doktortitel nicht mehr führen. Das entschied die Universität Bayreuth. Universitätspräsident Rüdiger Bormann sagte, die zuständige Kommission habe es mit einer "ganz einfachen und eindeutigen Rechtslage" zu tun gehabt, derzufolge Guttenberg "in erheblichem Umfang" gegen die wissenschaftlichen Pflichten verstoßen habe. Bormann unterstrich, dass es in dem Überprüfungsverfahren keinerlei politischen Druck gegeben habe. Der Verteidigungsminister hatte zuvor "gravierende handwerkliche Fehler" in seiner 2006 eingereichten Doktorarbeit eingeräumt und selbst um die Rücknahme des Doktortitels gebeten.

Auf die Frage nach einer vorsätzlichen Täuschung antwortete Bormann, dieser Aspekt sei nicht Teil der Untersuchungen gewesen. Es werde nun stichprobenartige Untersuchungen von Doktorarbeiten bei allen Fakultäten geben, um den wissenschaftlichen Anspruch der Universität zu unterstreichen.

Erneut wurden gestern Vorwürfe laut, denen sich Guttenberg in einer Fragestunde des Bundestages stellte. So räumte er ein, vier Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages genutzt zu haben. Eine Stunde später war bereits von sechs Gutachten die Rede, die zum Teil ohne ausreichende Kennzeichnung in die Doktorarbeit eingeflossen seien.

Guttenberg unterstrich, eine "offensichtlich sehr fehlerhafte Doktorarbeit" geschrieben zu haben. Die Opposition nahm ihm nicht ab, dass er bei der Übernahme von zahlreichen Zitaten ohne Quellenangabe weder bewusst noch vorsätzlich getäuscht habe. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann kritisierte die Entscheidung der Bundeskanzlerin als "unerträglich, dass ein akademischer Hochstapler und Lügner weiter dem Kabinett angehören darf".

Dagegen verwies Guttenberg darauf, ein Mensch mit Fehlern zu sein. Indem er aber die Kraft aufbringe, diese Fehler öffentlich einzuräumen und sich dafür zu entschuldigen, sei er auch ein Vorbild für alle in ähnlicher Situation.

In mehreren Blitzumfragen votierten die Menschen mit überwältigender Mehrheit für einen Verbleib Guttenbergs im Regierungsamt. So lehnten 75 Prozent der Zuschauer von n-tv einen Rücktritt ab, während sie die Debatte im Bundestag verfolgten, in der die Opposition dies forderte. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt verwies auf Umfragen, aus denen hervorgehe, dass sich SPD und Grüne in ihrer "unwürdigen Hatz" auf Guttenberg verrannt hätten. Auch 61 Prozent der Grünen- und 71 Prozent der SPD-Anhänger seien mit der Arbeit des Verteidigungsministers zufrieden.

Nach einer am Dienstag, also auf dem Höhepunkt der Plagiats-Berichterstattung, gestarteten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap hat die Zustimmung zu Guttenberg im Angesicht der Affäre sogar noch zugenommen. Danach sind 73 Prozent der Deutschen mit Guttenbergs Arbeit zufrieden; das sind fünf Prozentpunkte mehr als noch zu Monatsbeginn. Der Anteil der Unzufriedenen sank im gleichen Zeitraum von 28 auf 21 Prozent. Nur jeder Vierte meinte, Guttenberg solle außer dem Doktortitel auch sein Ministeramt zurückgeben.

(RP)
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