Düsseldorf: Uni Dortmund: SPD-Staatssekretär soll seinen Doktortitel verlieren

Düsseldorf: Uni Dortmund: SPD-Staatssekretär soll seinen Doktortitel verlieren

Marc Jan Eumann will um seinen Doktortitel kämpfen. Gegen den Medien-Staatssekretär soll ein Verfahren zur Aberkennung des akademischen Grades eingeleitet werden. Eumann selbst sagt: "Ich habe nicht getäuscht."

Marc Jan Eumann will um seinen Doktortitel kämpfen. Gegen den Medien-Staatssekretär soll ein Verfahren zur Aberkennung des akademischen Grades eingeleitet werden. Eumann selbst sagt: "Ich habe nicht getäuscht."

Das Rektorat der Technischen Universität (TU) Dortmund wirft NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) "erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten" vor. Der Vorgang wurde an den zuständigen Fakultätsrat weitergeleitet, damit ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels eingeleitet werden kann. Wie dieses Verfahren, das an das Vorgehen der Uni Düsseldorf gegen die frühere Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) erinnert, ausgehen wird, ist allerdings unklar.

Sollte Eumann tatsächlich den Doktortitel verlieren, wäre er politisch wohl nicht haltbar, und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) müsste ihn entlassen. Eumann ist seit 2010 Staatssekretär bei der NRW-Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, Angelica Schwall-Düren (SPD).

Der gebürtige Hamburger Eumann, der in Bonn und Köln Geschichte und Völkerrecht studiert hat und 1991 in Köln seine Magisterarbeit abgeliefert hatte, war 2011 an der TU Dortmund mit seiner Dissertation ("Der deutsche Presse-Dienst") promoviert worden. Ende vergangenen Jahres, so teilte die Hochschule jetzt mit, sei in einer Fachrezension der Vorwurf erhoben worden, Eumanns Dissertation basiere auf dessen eigener Magisterarbeit, die "inhaltlich-substanziell nicht erweitert worden" sei. Nachdem die TU davon Kenntnis erhalten habe, sei ein Prüfverfahren von der "Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis" eingeleitet worden. Nach Medienberichten soll Eumann in seiner Doktorarbeit Zitate, die aus seiner Magisterarbeit stammen, nicht als solche kenntlich gemacht haben. Im Vorwort erwähne er zwar seine Magisterarbeit, habe sie aber in seiner Bibliografie nicht angeführt.

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Die TU-Kommission habe den Fall "sorgfältig und ergebnisoffen geprüft", teilte die Hochschule mit. Zudem sei ein externes Rechtsgutachten eingeholt worden. Aufgrund dieser Unterlagen habe das Rektorat wissenschaftliches Fehlverhalten festgestellt. Bevor jedoch die Fakultät Kulturwissenschaften das Aberkennungsverfahren einleiten kann, soll der Betroffene Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten.

Eumann selbst sagte gestern laut Agenturberichten, er werde um seinen Doktortitel kämpfen. "Ich habe weiterhin keinen Zweifel, dass meine Dissertation eine inhaltlich substanzielle Erweiterung meiner Magisterarbeit darstellt. Und ich habe nicht getäuscht." Der Titel seiner Magisterarbeit habe seinem Doktorvater, Professor Horst Pöttker, dem Prüfungsausschuss und dem Dekanat vorgelegen.

Erinnert wird jetzt auch daran: Im Oktober 2011 habe Pöttker für das Institut Journalistik der TU Dortmund einen Förderantrag beim Land eingereicht. Der Mediengruppe der Staatskanzlei (Chef: Eumann) soll er diese Absicht bereits im August signalisiert haben. Schwall-Düren hatte dazu im Februar dieses Jahres erklärt, Eumann habe "unmittelbar seine Befangenheit mit Hinweis auf seinen Doktorvater erklärt", als ihm dies zu Ohren gekommen sei.

(RP)
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