Brühl: Acht Tote bei Zugkatastrophe: Unglücksursache weiterhin rätselhaft

Brühl: Acht Tote bei Zugkatastrophe : Unglücksursache weiterhin rätselhaft

Köln (AP). Die Ursache des schweren Zugunglücks von Brühl südlich von Köln ist weiter rätselhaft. Zwar stand am Montag fest, dass der Nachtexpress am frühen Sonntagmorgen mit 122 statt der zugelassenen 40 Kilometer pro Stunde durch den Bahnhof fuhr, jedoch war nicht bekannt, warum der 28-jährige Lokführer nach einer Baustelle zu früh wieder beschleunigt hatte. Einen Tag nach der Katastrophe hatte die Polizei drei der insgesamt acht Toten identifiziert. Am Montagabend erklärte ein Polizeisprecher, man rechne jetzt nicht mehr damit, dass noch weitere Todesopfer in Trümmern gefunden würden.

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p class="text">Bei den drei Identifizierten handele sich um eine Frau und zwei Männer, sagte ein Polizeisprecher in Köln. Alle drei seien Deutsche. Die übrigen fünf Toten seien Männer, deren Identität noch nicht gesichert sei. Die Bergung des Unglückszuges erwies sich als mühsam. Nach Angaben der Bahn dürften die Aufräumarbeiten noch bis Mittwoch oder Donnerstag andauern.

Knapp 48 Stunden nach dem Zugunglück von Brühl gehen die Bergungsarbeiten mit vollem Einsatz weiter. "Es wird die ganze Nacht durchgearbeitet. Es sind wieder 150 Einsatzkräfte vor Ort", erklärte ein Bahnsprecher am Montagabend. Die Fachleute seien weiter damit beschäftigt, die zertrümmerten Waggons auf dem Bahngleis auseinanderzuschweißen. Voraussichtlich bis Mittwoch sei nicht daran zu denken, den Bahnverkehr über die übliche Route zwischen Frankfurt und Köln wieder aufzunehmen, sagte der Bahnsprecher weiter. Das größte Problem sei die Bergung der Lokomotive. Das Triebfahrzeug war in ein Haus direkt am Bahnhof gerast. Experten prüften jetzt die Möglichkeit, die Lokomotive auf eigens verlegten Schienen rückwärts zu rollen und erst dann per Kran anzuheben.

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p class="text">Das Eisenbahn-Bundesamt in Bonn hatte seine Ermittlungen noch am Sonntag aufgenommen. Sprecher Mark Wille sagte, er sehe keine technische Möglichkeit, wie der Zug von allein hätte beschleunigen können, nachdem er vor einer Baustelle etwa zwei Kilometer vor dem Brühler Bahnhof vorschriftsmäßig gebremst habe. Die Untersuchung konzentriere sich deshalb auf den menschlichen Faktor. Geklärt werden müsse, ob die Anweisungen für den Lokführer eindeutig gewesen seien und welchen Inhalt sie gehabt hätten. Die entsprechenden Unterlagen hoffen die Ermittler im Führerhaus der beschädigten Lok finden zu können.

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p class="text">Der Lokführer war mit einem schwerem Schock ins Krankenhaus eingeliefert worden und vorerst nicht vernehmungsfähig. Der von ihm gesteuerte D 203 Amsterdam - Basel entgleiste im Bereich des Bahnhofs Brühl auf einer Weiche.

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p class="text">Nach den Worten eines Bahnsprechers gelang es, einen von zwei Waggons, die sich um die Pfeilerkonstruktion des Bahnsteigdachs geschlungen hatten, in Teile zu zerlegen und auf Güterwaggons zu packen. Am (morgigen) Dienstag soll die Lok aus dem Wohnhaus gezogen werden, in dessen Wohnzimmer sie zum Stehen gekommen war. Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt besuchte am Montag die Unfallstelle und gab seiner Betroffenheit Ausdruck.

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p class="text">Mehdorn verneint Sicherheitsmängel

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p class="text">Insgesamt wurden bei dem Unglück nach Polizeiangaben 149 Menschen verletzt, 89 von ihnen schwer. 33 der Schwerverletzten hätten im Lauf des Tages entlassen werden können, so dass noch 46 Betroffene stationär behandelt würden, hieß es. Von den zehn Schwerstverletzten schwebe einer noch in Lebensgefahr. Immer noch wurden Menschen vermisst, die allerdings nicht unbedingt in dem Zug gewesen sein müssten, sagte der Sprecher. Auf Grund von Anfragen von Verwandten wurden bei der Kölner Polizei am späten Nachmittag noch 49 Vermisstenfälle bearbeitet.

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p class="text">Bahnchef Hartmut Mehdorn wies Vorwürfe bezüglich mangelnder Sicherheit bei der Bahn zurück. Kein Lokführer gehe schlecht ausgebildet oder übermüdet auf eine Lokomotive, sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Da bei der Bahn aber "Menschen für Menschen" arbeiteten, könne auch menschliches Versagen nicht ausgeschlossen werden. Technische Mängel als Unglücksursache schloss Mehdorn aus.

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p class="text">Die Bahn hat nach eigenen Angaben einen Soforthilfefonds von zwei Millionen Mark für die Opfer des Zugunglücks bereit gestellt. Zwecks unbürokratischer Regelung von Ansprüchen sei in Frankfurt auch eine "zentrale Haftpflichtgruppe" eingerichtet worden. Zudem solle wieder ein "Ombudsman" eingesetzt werden, der Opfern und Angehörigen als Interessenvertreter zur Verfügung steht. Diese Aufgabe habe wieder Professor Otto Ernst Krasney übernommen, der eine solche Funktion schon nach der Eisenbahnkatastrophe von Eschede ausübte.

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(RPO Archiv)