Powell ist von Stichhaltigkeit der Beweise überzeugt: UN-Inspekteure bezeichnen US-Beweise als Fälschungen

Powell ist von Stichhaltigkeit der Beweise überzeugt : UN-Inspekteure bezeichnen US-Beweise als Fälschungen

New York (rpo). Die UN-Chefinspekteure Hans Blix und Mohamed ElBaradei finden die Beweise der USA über das irakische Massenvernichtungsprogramm nicht überzeugend, ja behaupten sogar, es handele sich um Fälschungen. ElBaradei sagte am Freitag in New York, einige Dokumente seien gefälscht.

Er bezog sich auf Unterlagen, die nach Darstellung der USA den Versuch irakischer Agenten beweisen, vor zwei Jahren in Niger Uran zu kaufen. Blix sagte, die Inspektoren hätten US-Vorwürfe über versteckte Waffen in Irak nicht verifizieren können. Er bat die USA erneut, Informationen darüber vorzulegen. US-Außenminister Colin Powell sagte, er sei nach wie vor von der Stichhaltigkeit des US-Materials zu Irak überzeugt. "Ich habe bessere Informationen als die Inspektoren", sagte er dem US-Fernsehsender ABC. "Ich denke, ich habe mehr Mittel zur Verfügung als die Inspektoren." Der Chef des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, hat erklärt, dass alle wichtigen Informationen weitergegeben worden seien.

Im Fall des Irak vorgeworfenen Uran-Kaufs in Niger und dem Vorwurf, Irak habe massive Aluminiumrohre kaufen wollen, die für eine Zentrifuge zur Anreicherung von Uran benötigt würden, widersprach ElBaradei und stellte fest: "Es gibt keinen Hinweis für wieder aufgenommene atomare Aktivitäten."

Blix sagte, die Überprüfung Iraks sei nicht eine Frage "von Jahren, auch nicht Wochen, aber von Monaten". Aus einem 173 Seiten umfassenden Dossier wurde ersichtlich, warum: Nach Blix' Schätzung könnte Irak noch über 10.000 Liter Milzbranderreger verfügen. Die Stichworte im Inhaltsverzeichnis erinnern an alle unbeantworteten Fragen: Raketentechnologie, Flugzeugbomben, Sprühgeräte, Drohnen, Senfgas, Sarin, chemische Laboreinrichtungen, Botulismus, Toxin, Rizin, Genforschung...

"Die starke Vermutung ist, dass 10.000 Liter Milzbranderreger nicht zerstört wurden und noch immer vorhanden sind", erklärte Blix. Es sehe auch so aus, als ob Irak technisch noch immer in der Lage sei, Milzbranderreger "zumindest im Umfang von vor 1991" herzustellen. Drohnen könnten zum Versprühen biologischer Waffen eingesetzt werden. Die Entwicklung von zwei solcher unbemannter Flugkörper habe Irak kürzlich eingeräumt. Zwei von Irak gemeldete Drohnen könnten rund 100 Kilometer weit fliegen und vom Boden oder von anderen Flugzeugen aus gesteuert werden.

Laut Blix fehlen auch noch Beweise Iraks, die Entwicklung von Mittel- und Langstreckenraketen eingestellt zu haben. Irak müsse ferner den Verbleib von bis zu 30 Sprengköpfen von Scud-B-Raketen nachweisen, die mit biologischen und chemischen Kampfstoffen gefüllt gewesen seien.

Der britische Außenminister Jack Straw bezeichnete das Dossier als "schockierende Anklage von Saddam Husseins Lug und Betrug" und ein Beleg "der Gefahr, die er für die Region und die Welt darstellt".

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