Berlin: Umweltminister heizt nur bis 18 Grad

Berlin : Umweltminister heizt nur bis 18 Grad

Bundesumweltminister Peter Altmaier ruft die Bürger dazu auf, mehr Energie einzusparen. Er selbst hält die Wohnungstemperatur niedrig. Das gehe ohne Verlust der Lebensqualität.

Die Bürger sind nach Auffassung von Bundesumweltminister Peter Altmaier nicht machtlos gegen steigende Strom-, Gas- und Ölrechnungen. Der CDU-Politiker ermunterte die Verbraucher, stärker Energie zu sparen. "Tatsächlich lässt sich in der Wirtschaft und in den Privathaushalten Energie sparen, ohne dass die Lebensqualität oder die Ertragslage eingeschränkt wird", sagte Altmaier unserer Zeitung.

Er selbst versuche zu Hause möglichst energiesparend zu leben. "Bei mir zu Hause ist es nicht wärmer als 18 Grad." Der Politiker, der als Genussmensch gilt und für seine Kochkunst bekannt ist, fügte mit Selbsthumor hinzu: "Ich bin aber auch ordentlich vor Wärmeverlust geschützt." Vorschriften, wie der Einzelne Energie sparen soll, wolle er keinesfalls machen. Die eigene Wohnungstemperatur müsse jeder für sich entscheiden.

Beim Thema Energieverbrauch sieht Altmaier einen Mentalitätswechsel in der Bevölkerung. Die Zahl der Bürger, die sich bei Beratungsstellen, aber auch direkt im Ministerium nach Einsparmöglichkeiten erkundigten, habe sich in den letzten Monaten mindestens verzehnfacht. "Wir haben im ersten Halbjahr 2012 zum ersten Mal in Deutschland weniger Strom verbraucht als im Vorjahreszeitraum", betonte der CDU-Politiker.

Auch bei seinem Hobby Kochen versucht der 54-Jährige energiesparend vorzugehen. "Ich habe in meinem Haus im Saarland, aber auch in meiner Berliner Wohnung einen energiesparenden Induktionsherd. Und ich lasse beim Kochen möglichst den Deckel auf dem Topf." Dies führe manchmal dazu, dass das Essen überkoche, helfe aber, Energie zu sparen. Ausgerechnet an Weihnachten will Altmaier aber auf üppige Mahlzeiten verzichten. "Ich versuche traditionell über die Weihnachtstage gesünder zu essen. Daher sind schwere Soßen, reichhaltige Desserts und kalorienhaltige Gerichte tabu", verriet er. In diesem Jahr wolle er sich "einen schönen Fisch braten, dazu Salat und als Nachspeise Obstsalat mit einer Kugel Vanilleeis"essen.

Mit dem Verlauf der Energiewende zeigte sich Altmaier zufrieden. "Ich würde sagen, knapp ein Viertel der Wegstrecke haben wir hinter uns." Ende 2013 wolle die Regierung 40 Prozent Umsetzung erreicht haben. Zunächst sei es wichtig gewesen, alle Beteiligten dafür zu sensibilisieren, dass eine "nationale Ausbaukonzeption für die erneuerbaren Energien" gebraucht würde. Der CDU-Politiker räumte auch ein, dass die Energiewende eine Operation am offenen Herzen sei. Es handele sich um den kompletten Umbau eines Systems, das in 150 Jahren gewachsen sei. "Ich glaube, dass die Chancen, aber auch die Schwierigkeiten der Energiewende unterschätzt wurden."

Es sei Konsens, das Erneuerbare-Energien-Gesetz grundlegend zu reformieren. Dass dies noch vor der Bundestagswahl im kommenden Jahr geschehen könne, sei unwahrscheinlich. Er wolle aber vor der Wahl "Klarheit haben, in welche Richtung die Reise geht".

(RP)
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