Ukraine: Helmut Schmidt wirft Europa Größenwahnsinn vor

Krise in der Ukraine: Helmut Schmidt wirft Europa Größenwahnsinn vor

Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) hat in einem Interview das Auftreten der Europäischen Union in der Ukraine-Krise scharf kritisiert. Er wirft der Gemeinschaft "Größenwahnsinn" vor und warnt vor Parallelen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914.

"Sie mischen sich (…) zu sehr in die Weltpolitik ein, obwohl die meisten Kommissare davon kaum etwas verstehen", sagte der 95-Jährige in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Schmidt kritisierte die Versuche der EU-Kommission, die Ukraine "anzugliedern" und dann auch noch Georgien "an sich zu ziehen".

"Zur Erinnerung: Georgien liegt außerhalb Europas. Das ist Größenwahnsinn, wir haben da nichts zu suchen", sagt Schmidt der Zeitung.

Schmidt sieht zunehmend Parallelen zur Lage in Europa im Jahr 1914. Der SPD-Politiker sagte: "Europa, die Amerikaner, auch die Russen verhalten sich so, wie es der Autor Christopher Clark in seinem lesenswerten Buch über den Beginn des Ersten Weltkriegs beschrieben hat: wie Schlafwandler."

  • Zitiert : Die Sprüche von "Schmidt-Schnauze"

Schmidt selbst wolle sich weiter dafür einsetzen, dass alle beteiligten "Staatsmänner und -frauen" an einen Tisch kommen. Als Vorbild nennt Schmidt die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit 1975 in Helsinki.

Die Spitzenkandidaten der europäischen Parteien für den Posten des EU-Kommissionspräsidenten sind weiter mehrheitlich für einen harten Kurs gegenüber Russlands Präsident Wladimir Putin. "Wir müssen sehr ernsthafte persönliche Sanktionen gegen die Leute um Putin verhängen", sagte der Kandidat der Liberalen, Guy Verhofstadt, am späten Donnerstagabend bei einer Eurovisionsdebatte im Brüsseler Europaparlament.

Martin Schulz, der für die europäischen Sozialdemokraten antritt, sagte: "Falls es nötig ist, sollten harte Sanktionen beschlossen und umgesetzt werden." Mehr zur TV-Debatte vom Donnerstagabend lesen Sie hier.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Weggefährten gratulieren Helmut Schmidt zum 95.

(csi)