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Kolumne Gott Und Die Welt: Über das Salz der Erde

Kolumne Gott Und Die Welt : Über das Salz der Erde

Die Privatvorräte an Streusalz sind imposant gefüllt. Jetzt könnte das Eis kommen, damit endlich wieder Platz im Keller ist.

Es begab sich zu einer Zeit, da der Winter schrecklich im Lande wütete und der Herr des Hauses sich unvorbereitet zeigte. Wer die klare Sprache liebt: Es fehlte an Streusalz. Bis es zu dieser Erkenntnis kam und diese tief ins Hirn dringen konnte, so dass daraus ein Handlungsimpuls erwuchs, war das Salz der Erde allüberall ausverkauft. Fortan musste zum Speisesalz gegriffen werden, und da es dies meist nur in homöopathischen Dosen von wenigen Dutzend Gramm zu kaufen gibt, war der Effekt mäßig. Selbst das Verbot, das Frühstücksei wie gewohnt zu bestreuen, konnte den eklatanten Mangel nicht wettmachen.

Damit diese Lage nie wieder eintreten würde, griff ich in frostfreier Zeit beherzt zu: Streusalz im praktischen Zehn-Kilo-Eimer, und wer seinen Blick einmal auf solche Produkte konzentriert, entwickelt manische Neigungen. Nach ein paar Wochen also waren die Streusalz-Vorräte auf eine Menge angewachsen, die dem Lager des Wirtschaftsbetriebes einer Kleinstadt zur Ehre gereicht hätte — einer bergischen Kleinstadt wohlgemerkt. Dementsprechend groß war die Freude der Mitbewohner, als sich der erste Frost ankündigte und damit in Aussicht stellte, dass irgendein Kellerraum bald wieder einer zivilen Nutzung zugeführt werden könnte. Allein, das Eis wollte sich noch nicht einstellen; so blieb Zeit für den Beipackzettel des "Auftausalzes", wie es korrekt heißt.

Wussten Sie etwa, dass Salz nicht gut für Natursteinplatten und auch sonst genussuntauglich ist? Dass der Verein deutscher Salzindustrie in Bonn sitzt und zehn bis 20 Gramm Salz pro Quadratmeter völlig ausreichen? Über Spezialkenntnisse verfügt selbst der Hund desHauses. Sein Wissen: Auftausalz zwischen den Fußballen brennt wie Hölle und schmeckt ekelhaft, wenn es später rausgeleckt wird. Hundeschuhe? Untragbar für einen Terrier mit Ehrgefühl. So tänzelte er grazil dicht an der Hauswand entlang.

Denn dort, wo noch das Eis lag, konnte kein Salz sein. Auch er musste den Beipackzettel gelesen haben.

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(RP)