Gizeh: Totenstille an Ägyptens Pyramiden

Gizeh : Totenstille an Ägyptens Pyramiden

Nach dem Terroranschlag in Taba Mitte Februar bleiben jetzt auch noch die letzten Urlauber aus.

Auf den riesigen Parkplätzen vor dem Eingang zum Weltwunder der Antike herrscht gähnende Leere. Nur ein paar Polizeiautos sind dort geparkt. "Das kann doch nicht so weitergehen", jammert Khalil Bedran. Jeden Tag reitet der 26-jährige Ägypter zu den Pyramiden von Gizeh – in der Hoffnung, dass doch wieder Touristen kommen und auf seinen Pferden oder Kamelen sitzen wollen. Doch seit Ausbruch der Revolution im Januar 2011 gibt es in Kairo immer weniger Besucher.

Bedran ist verzweifelt. Auch die Demonstration der Reiseleiter, Touristenführer, Kamelbesitzer und Andenkenhändler vor den Pyramiden mit Schildern wie "Kommt zurück" oder "Touristen, wir lieben euch" hat wenig gebracht. Seit letztes Jahr im Sommer die Protestlager für den gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi blutig geräumt wurden und danach Terroranschläge die ägyptische Hauptstadt heimsuchten, bleiben selbst die glühendsten Ägypten-Liebhaber dem Nil fern.

Das im orientalischen Stil eingerichtete Mena-House-Hotel direkt an den Pyramiden gleicht einem Geisterhaus. Das Restaurant hat zur Hauptessenszeit nicht einen Gast. Viel Personal ist schon entlassen worden. Mit einer Notbesetzung warten alle auf bessere Zeiten.

In der dritten Generation betreibt Khalil Bedran das Geschäft mit den Reittieren. "Aber so etwas haben wir noch nie erlebt." Von den einst zehn Pferden und vier Kamelen ist nicht mal die Hälfte übrig geblieben. "Wir hatten kein Geld mehr für Futter und mussten sie töten." Wie Bedran geht es allen Besitzern der Ställe, die unterhalb der Pyramiden liegen. Sie sind weitgehend leer. "Während früher bis zu 150 Busse pro Tag mit Touristen hier ankamen, sind es heute vielleicht fünf", sagt ein Kollege. "Und wenn fünf kommen, sprechen wir von einem guten Tag" ergänzt Bedran. Wenn das so weitergehe, dann müsse er sich auch noch von den letzten Tieren trennen. "Das kann Allah doch nicht wollen?"

Der landesweite Einbruch im Tourismus hat die Hauptstadt am meisten getroffen. Derzeit liegt die Auslastung der Hotels im Zentrum Kairos bei unter zehn Prozent. Nur die Herbergen im Norden, in der Nähe des Flughafens, verzeichnen mehr Übernachtungen. Aber auch hier liegen die Zahlen weit hinter denen vor der Revolution, als über zwölf Millionen Touristen in das Land der Pharaonen reisten und dort für fast zehn Millionen Jobs sorgten. Davon können Khalil Bedran und die ägyptische Regierung zurzeit nur träumen. Die Wirtschaft am Nil steht vor dem Bankrott.

Tourismusminister Hisham Sasou ist besorgt: Auch die Strände Ägyptens sind weitgehend leer. Der Terroranschlag auf einen Reisebus in Taba, 222 Kilometer nördlich von Sharm el Scheikh, bei dem Mitte Februar vier Menschen ums Leben kamen, veranlasste auch das Auswärtige Amt in Berlin, mit einer Reisewarnung die Notbremse für den Sinai zu ziehen. Dass die Touristen ausbleiben, sei aber genau das, was die Terroristen mit ihren Anschlägen erreichen wollen, ereifert sich der sichtlich verärgerte Tourismus-Chef. "Ich habe den Mitarbeitern im Auswärtigen Amt gesagt, dass sie Terror nicht belohnen sollten mit einer Reisewarnung."

(RP)
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