Paris: Terrorverdacht am Louvre

Paris : Terrorverdacht am Louvre

Ein Mann geht am berühmten Pariser Kunstmuseum auf einen Soldaten los und wird niedergeschossen. Die Regierung spricht von einer Tat mit "terroristischem Charakter" - wieder einmal.

Der Angriff ereignete sich um kurz vor zehn Uhr morgens an einem der meist besuchten Touristenziele Frankreichs. Am Louvre stürmte ein Mann mit einer Machete auf einen Soldaten zu und rief "Allahu Akbar" ("Gott ist groß"). Der Angreifer verletzte sein Opfer leicht, bevor ein weiterer Soldat ihn mit fünf Schüssen in den Bauch niederstreckte. Der Vorfall ereignete sich am Eingang zum Einkaufszentrum Carrousel du Louvre, das mit dem weltberühmten Museum unterirdisch verbunden ist. Rund 1600 Menschen, meist Touristen, wurden stundenlang von den Sicherheitskräften festgehalten und konnten den Komplex erst am Nachmittag verlassen.

Premierminister Bernard Cazeneuve sprach von einem "offensichtlich terroristischen Angriffsversuch", mit dem sich die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft beschäftigt. Am späten Nachmittag durchsuchten Ermittler mehrere Wohnungen.

Der Angreifer, dessen Identität zunächst nicht bekannt war, hatte zwei Rucksäcke dabei, Sprengstoff fanden die Spürhunde nicht darin. "Wir sind alle rausgerannt, denn drinnen wurde geschossen", berichtete der Restaurantangestellte Samba Fofana im Fernsehsender BFMTV. Im schicken Carrousel du Louvre sind täglich Tausende Touristen unterwegs. Der Louvre selbst wird jedes Jahr von rund sieben Millionen Menschen besucht. Das Museum blieb am Freitagnachmittag geschlossen - "wegen eines schweren Zwischenfalls", wie es auf der Website hieß.

Auch das Viertel rund um den Louvre an der Rue de Rivoli wurde sofort abgesperrt und die Metro-Station geschlossen. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo lobte die schnelle Reaktion der Sicherheitskräfte. "Die Person konnte gestoppt werden, bevor sie in den Carrousel du Louvre kam", sagte Hidalgo, die schon kurz nach der Attacke am Louvre war.

Die angegriffenen Soldaten gehörten zur "Opération Sentinelle", die seit den Anschlägen 2015 im Einsatz ist. Rund 7000 schwer bewaffnete Militärs, die immer in Dreiergruppen unterwegs sind, patrouillieren rund um Bahnhöfe, Touristenattraktionen und Einkaufszentren. Um in den Louvre mit seiner Attraktion, der "Mona Lisa", zu kommen, müssen die Besucher Metalldetektoren passieren und sich mit einem Sensor abtasten lassen. Neben eigenen Sicherheitskräften des Museums bewachen Soldaten die berühmte Glaspyramide und die Eingangshalle. "Diesen Morgen hat das Aufgebot ziemlich gut funktioniert, denn der Terrorist konnte gestoppt werden", zitierte die Zeitung "Le Figaro" einen Mitarbeiter.

Dennoch bedeutet der Angriff einen weiteren Schlag für den Tourismus in Paris, wo im vergangenen Jahr fast zwei Millionen Besucher weniger verzeichnet wurden als 2015. Der Louvre ist nach dem Eiffelturm und den Kirchen Notre-Dame und Sacré-Coeur das vierte Touristenziel der Hauptstadt. "Jede Großstadt der Welt erlebt diese Bedrohung", relativierte Hidalgo die Bedeutung, die der Angriff für ihre Stadt hat.

Paris war mehrfach Ziel von Attentätern: Im November 2015 waren bei mehreren zeitgleichen Anschlägen insgesamt 130 Menschen ums Leben gekommen. Seither gilt in Frankreich der Ausnahmezustand.

Präsident François Hollande, der zum Zeitpunkt des Angriffs beim EU-Gipfel in Malta war, schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: "Ich begrüße den Mut und die Entschlossenheit, die die Soldaten heute morgen im Carrousel du Louvre gezeigt haben." Auch US-Präsident Donald Trump reagierte über Twitter: "Ein neuer radikaler islamischer Terrorist hat den Louvre in Paris angegriffen. Touristen wurden festgehalten. Frankreich wieder im Visier. Werde schlau daraus, USA." Der neue Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) zeigte sich am Rande seiner USA-Reise "heilfroh, dass kein Schaden angerichtet werden konnte, weil die französischen Sicherheitskräfte so schnell reagiert haben".

(RP)
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