Limburg: Tebartz-van Elst: "Protz sagt mir nichts"

Limburg : Tebartz-van Elst: "Protz sagt mir nichts"

Der beurlaubte Limburger Bischof wehrt sich gegen "Verrat". Seine neue Residenz verteidigt er.

Der vom Papst bis auf Weiteres beurlaubte Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, ist ein drahtig-asketisch wirkender Mensch. Das hat ihm offenbar dabei geholfen, an den schwerwiegenden Anschuldigungen, er sei ein Geldverschwender, noch dazu nicht stets wahrheitsliebend, autoritär sowie dünkelhaft klerikal, nicht zu zerbrechen.

Im Gegenteil, ein während seines einwöchigen Rom-Aufenthalts im Oktober geführtes, erst jetzt veröffentlichtes Gespräch, in dem Tebartz-van Elst sein wochenlanges Schweigen gegenüber der Öffentlichkeit bricht, zeugt von einem Kämpferherz und von Verteidigungswillen.

Tebartz-van Elst, über dessen mittlerweile wohl 31 Millionen teuren Bischofshaus-Komplex am Limburger Domberg sich Katholiken in ganz Deutschland mit Worten und Kirchenaustritten empört haben, wehrt sich in einem klitzekleinen, kirchenunabhängigen "Vatican-Magazin" vor allem gegen das Etikett "Protz-Bischof". Wer ihn kenne, so der 53-jährige Bischof, wisse, dass ihm Protz und Prunk nichts sagten. Tatsächlich wird man den niederrheinischen Theologieprofessor aus angesehener Kevelaer Bauernfamilie nicht als luxuriösen Angeber, wohl jedoch als einen Ästheten mit ausgeprägtem Hang zum Schönen bezeichnen dürfen.

Er selbst sagte in besagtem Magazin im Gespräch mit Paul Badde, einem ehemaligen Rom-Korrespondenten der Zeitung "Die Welt", der umstrittene Neubau sei nicht protzig, vielmehr wertig. Im Übrigen sei das Haus als Begegnungsstätte überzeitlich nicht für ihn, vielmehr auch für seine Nachfolger konzipiert. Wie um dem Vorwurf zu begegnen, er stehe für das Gegenteil dessen, was Papst Franziskus mit der erwünschten "armen Kirche" meint, sagte Tebartz-van Elst: Eine arme Kirche dürfe nicht an materiellen Gütern hängen; was nicht heiße, dass sie nichts Schönes zur Ehre des Schöpfers schaffen solle.

Einen Seitenhieb versetzte der Gescholtene, der sich zudem dem Vorwurf uneidlicher Falschaussage ausgesetzt sieht, den für den Neubau Mitverantwortlichen des Domkapitels: Alle wesentlichen Entscheidungen zu Ausbau und Renovierung seien "im Einvernehmen mit anderen Persönlichkeiten an verantwortlichen Stellen" getroffen worden. In den Akten indes tauche er als Bischof allein mit seiner Unterschrift auf. Tebartz ergänzte, er fühle sich in der Vergangenheit nicht nur falsch beraten, sondern auch verraten: "Das tut weh."

(RP)
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