1. Politik

Düsseldorf: Tebartz-Skandal vergrault Katholiken

Düsseldorf : Tebartz-Skandal vergrault Katholiken

Die Geldverschwendung beim Neubau des Limburger Bischofshauses führte 2013 zu massiven Mitgliederverlusten der katholischen Kirche. Ähnlich dramatisch war die Lage nach dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals 2010.

Die katholische Kirche in Deutschland mit ihren 24,1 Millionen Mitgliedern hat 2013 knapp 179 000 Menschen durch Austritt verloren. Das ist der zweithöchste Wert nach 2010; damals hatten rund 181 000 deutsche Katholiken ihrer Kirche den Rücken gekehrt. Vor vier Jahren hatte das Bekanntwerden sexuellen Missbrauchs durch Geistliche an Kindern und Jugendlichen die Austrittszahlen nach oben schnellen lassen.

Nachdem die Austritte 2011 und 2012 gegenüber 2010 wieder deutlich geringer ausgefallen waren, hat die Affäre um den abgesetzten früheren Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, und die enorme Geldverschwendung am neuen Bischofshaus die Entscheidung zum Kirchenaustritt offenbar von Neuem stark befördert. Der Freiburger Religionssoziologe Michael Ebertz sagte gestern gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur: "Wir verzeichnen erneut einen der Spitzenwerte seit der Jahrtausendwende. Damit liegt eine ähnliche Interpretation wie 2010 nahe: Die Kirche kommt aus den Skandalen und Skandalisierungen nicht heraus. 2010 ging es um sexuellen Missbrauch, 2013 vor allem in Limburg um den verheerenden Umgang mit Finanzen." Der Wissenschaftler fügte hinzu: "Wenn beides zusammenkommt - Sex und Geld in der Kirche -, dann ist das im Grunde der Super-GAU." Die Spitze der Austrittszahlen erwartet Ebertz erst bei der Kirchenbilanz dieses Jahres. Langfristig müsse sich die katholische Kirche in Deutschland auf mehr als 100 000 Austritte pro Jahr einstellen.

Der im März zum neuen Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gewählte Münchner Erzbischof, Reinhard Kardinal Marx, nannte die bekanntgegebenen Austrittszahlen für 2013 schmerzlich. Alle in der Kirche müssten das ernst nehmen bei ihrem Handeln. Das zweite Halbjahr 2013 hat laut Marx offensichtlich zu einem Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust geführt. Deshalb gelte es besonders für die Priester und Bischöfe, immer wieder zu versuchen, durch gute und überzeugende Arbeit Vertrauen zu schaffen.

Der Kardinal, der auch zum engen Beraterkreis von Papst Franziskus in Rom gehört und in dessen Erzdiözese München-Freising (1,75 Millionen Katholiken) es im vergangenen Jahr gut 16 000 Kirchenaustritte gegeben hat, rief dazu auf, das Gespräch mit den Ausgetretenen zu suchen: "Nicht alle Ausgetretenen verlieren damit jeden Kontakt zur Kirche. Viele wollen - auf ihre eigene Art - Christen bleiben." Marx setzte mit einem Schuss Optimismus hinzu, die Offenheit für das Evangelium und die Suche nach Transzendenz seien ja vorhanden. Zwar habe auch der Gottesdienstbesuch 2013 leicht abgenommen (auf durchschnittlich 10,8 Prozent), aber an bestimmten Festtagen wie etwa Ostern nehme der Besuch der Gottesdienste nach Berichten der Pfarreien zu. Kardinal Marx betonte, er sei nicht entmutigt, betrachte die Statistik vielmehr als einen aufrüttelnden Weckruf.

  • Hauptstadt von Limburg : Sightseeing in der Studentenstadt Maastricht
  • Gesundheitsdezernentin Sabine Lauxen weist darauf hin,
    Corona-Maßnahmen in Krefeld : 25.000 Euro Strafe für Quarantäne-Verweigerer
  • Lydia Schwertner, Leiterin der Remscheider Verbraucherzentrale.
    Rechtsberatung in Remscheid im Jahr 2020 : Verbraucher sparen rund 67.000 Euro

Religionssoziologe Ebertz sagte auch, er rechne mit weiteren Enthüllungen zu den Skandalthemen sexueller Missbrauch sowie Finanztransparenz der Bistümer. Viele Diözesen hätten ihre Vermögensverhältnisse nicht vollständig offengelegt.

In dem Zusammenhang präsentierte gestern das zuletzt besonders ins Gerede gekommene Bistum Limburg seine Vermögensverhältnisse und finanziellen Verpflichtungen. Die Bilanzsumme betrug zum Vorjahresende 909 Millionen Euro. Ein Fonds zur Sicherung von Altersversorgungsansprüchen beinhaltet 204 Millionen Euro. Das Kirchensteueraufkommen im Bistum Limburg betrug 109 Millionen Euro; davon flossen 57 Prozent in die Seelsorge der Pfarreien. Rund 15 beziehungsweise circa 14 Millionen Euro gingen in die Bereiche Schule/Bildung oder Soziales - es ist fast genau die Summe, die das sündteure neue Bischofshaus mit dem extravaganten Interieur am Limburger Domberg gekostet hat.

Im größten deutschen Erzbistum Köln (2,05 Millionen Katholiken) verfügte der sogenannte Bischöfliche Stuhl (der nichts mit Kirchensteuereinnahmen zu tun hat) Ende 2012 über ein Volumen von 166,2 Millionen Euro. Das Erzbistum Berlin, aus dem der künftige Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki kommt, gibt sein Vermögen mit null Euro an.

(RP)