1. Politik

Stichwort: Tarife

Stichwort : Tarife

Berlin (AP) Die Tarifpolitik und vor allem Flächentarifverträge sind in den letzten Jahren zunehmend in Frage gestellt worden. Vor allem Arbeitgeber und Wirtschaftspolitiker kritisieren die bestehenden Regelmechanismen als zu starr. Sie wünschen sich stattdessen flexiblere Tarifverträge, die Vereinbarungen erlauben, die auf einzelne Betriebe zugeschnitten sind. Damit könnten die Unternehmen schneller und einfacher Umstrukturierungen vornehmen und möglicherweise auch zum Erhalt der Arbeitsplätze beitragen, heißt es.

Für die meisten Arbeitsverhältnisse gelten derzeit noch Arbeitsbedingungen, die für ein ganzes Tarifgebiet vertraglich festgelegt sind. Die verfassungsrechtlich garantierte Tarifautonomie berechtigt die Tarifpartner - Gewerkschaften und Arbeitgeber - Verträge in eigener Verantwortung abzuschließen. Darin werden neben der Höhe der Löhne oder Gehälter auch Arbeitszeiten, Urlaubsdauer und Kündigungsfristen festgeschrieben.

Die Tarifverträge sind prinzipiell für alle Mitglieder der vertragschließenden Tarifpartner bindend. Sie haben flächendeckend für alle Firmen einer bestimmten Branche Gültigkeit, die dem Tarifvertrag beigetreten sind. Doch die Bedeutung dieser Flächentarife ist in den letzten Jahren gesunken. Der Branchentarif galt 1998 nur noch für 51 Prozent der ostdeutschen und 68 Prozent der westdeutschen Arbeitnehmer. Häufig treten kleine und junge Firmen den Arbeitgebervereinigungen gar nicht erst bei und vermeiden auf diese Weise jede Einbindung in einen Tarifvertrag.

(RPO Archiv)